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Montag, 26. März 2012: Nikolai-Gemeinde ehrt Pfarrer Günther Brandt an seinem 100. Geburtstag
POTSDAM / INNENSTADT - Die Ehrung war längst überfällig. Eine Gedenktafel erinnert seit Sonnabend an den Potsdamer Pfarrer Günther Brandt (1912-1986), der sich während des Nazi-Regimes für jüdische Mitbürger einsetzte und an diesem Tag einhundert Jahre alt geworden wäre. Mit einer Feierstunde vor dem Pfarrhaus in der Burgstraße 32, in dem Brandt mit seiner Frau Herta und Kindern von 1949 bis 1954 wohnte, wurde des Theologen gedacht. Unter den zahlreichen Gästen, die zur Enthüllung der Tafel gekommen waren, befanden sich Kulturbeigeordnete Iris Jana Magdowski (CDU), Vertreter der Berliner Gedenkstätte „Stille Helden“ und der Christlich-Jüdischen Gesellschaft sowie drei Generationen von Brandts Angehörigen aus der gesamten Republik. „Das ist eine ganz tolle und ungewöhnliche Ehrung, die unserem Vater zuteil wird. Er war für seine Gemeinden außerordentlich faszinierend“, sagte Maria Zeller, älteste lebende Tochter, die aus Krefeld angereist war. Weil Günther Brandt sich so intensiv um die Gemeindearbeit gekümmert habe, „hatten wir fünf Kinder nicht so viel von unserem Vater“, erinnerte sich Cornelia Brandt ein wenig wehmütig.

Pfarrerin Susanne Weichenhan von der evangelischen St. Nikolai-Gemeinde bedauerte, dass Brandt trotz seines mutigen Wirkens in der Nazi-Zeit in Potsdam jahrzehntelang „fast vergessen“ gewesen war. Dabei habe der Pfarrer sowohl im Nationalsozialismus als auch in der DDR als „aufrechter Mensch“ gelebt. Zwischen 1937 und 1945 hatte Brandt als Hilfsprediger der Bekennenden Kirche – Oppositionsbewegung evangelischer Christen – und später als Wehrmachtsoffizier Juden zum Überleben verholfen. 1945 stellte er untergetauchten jüdischen Mitbürgern in einer Wehrmachtsdienststelle für Flüchtlinge Bescheinigungen über den Verlust ihrer Papiere aus. Auf diese Weise konnten sie legale „arische“ Ausweise, Lebensmittelkarten oder Wohnungen erhalten.

Dafür wurde Brandt in Israel bereits 1981 als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt und durfte in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem einen Baum pflanzen. 22 000 Menschen ist diese Ehre bisher zuteil geworden, darunter 455 Deutschen. Brandt war einer von sieben Potsdamern, die diesen Titel erhielten, der seit Israels Staatsgründung 1948 an nicht-jüdische Einzelpersonen vergeben wird, die im Nationalsozialismus ihr Leben einsetzten, um Juden zu helfen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Brandt zunächst Pfarrer in Werder/Havel, von 1949 bis 1953 in der Potsdamer Heiliggeistgemeinde tätig. Als Studentenpfarrer geriert er in die Fänge des Ministeriums für Staatssicherheit. Am 19. Mai 1953 wurde Brandt verhaftet und im Stasi-Untersuchungsgefängnis in der Lindenstraße verhört. Auf Vermittlung der Kirchenleitung ließ man ihn am 8. Juli 1953 frei. Danach ging Brandt nach West-Berlin, war ab 1960 Superintendent in Spandau.

Über Pfarrer Brandt ist jetzt auch eine von Soziologie-Professorin i.R. Marina Lewkowicz zusammengestellte Dokumentation mit Briefen von Geretteten, Zeitzeugenberichten, Fotos und Zeugnissen seiner Arbeit erhältlich. Das Anbringen der Gedenktafel geht auf Initiative von David Rosenfeld, Mitglied der Jüdischen Gemeinde Potsdam, zurück, der noch weitere „Gerechte“ ehren möchte. Auch Maimi von Mirbach und Dorothea Schneider gehören zu den Potsdamer „Gerechten“, nach ihnen wurden im Kirchsteigfeld in den 1990er Jahren Straßen benannt. (MAZ vom 26.03.2012, Von Ricarda Nowak)
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