Wir feiern wieder Gottesdienste in der Martin-Luther-Kapelle. Dabei behalten wir die bisherigen Abstands- und Hygieneregeln bei: Der Gottesdienst wird in kurzer Form und ohne Gemeindegesang gefeiert. Bitte tragen Sie während der gesamten Zeit einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz und halten Sie Abstand.

Am Eingang tragen Sie sich bitte mit Namen und Telefonnummer in die Anwesenheitsliste ein.

Wenn Sie Sorgen haben oder ein Gespräch wünschen, melden Sie sich gern.

Auf Beschluss des Gemeindekirchenrates wird die amtliche Kollekte am Sonntag Invokavit (21. Februar 2021) für folgenden Zweck gesammelt:

Hospizarbeit in Potsdam

Für Sterben, Tod und Trauer gilt, dass diese Seiten des Lebens ausdrücklich gesehen und benannt werden müssen, damit sie verarbeitet werden können. Dem Thema wenig oder gar keinen Raum zu geben, schädigt alle Beteiligten nachhaltig. Dies liegt daran, dass Betroffene davon berührt werden und „mitschwingen“, wenn ein Mensch stirbt oder sie vom Tod eines Mitmenschen erfahren.

Nach außen hin oder auch vor sich selbst können Menschen so tun, als würde sie das emotional nicht berühren, aber unser Nervensystem und die weniger bewusste Psyche sind immer davon betroffen und schwingen und leiden mit. Burnout, Angststörungen, Überlastungssyndrome und Depressionen sind nicht selten die Folge von nicht ver-arbeiteter Trauer und Betroffenheit.

Deshalb ist es für die Gesunderhaltung und Stabilisierung so wichtig, Sterben, Tod und Trauer auszusprechen und dieser Seite des Lebens einen geschützten und ein-fühlsamen Raum zu geben.

Abschiednehmen ist not:wendig und heilsam.

Der Hospiz- und Palliativberatungsdienst Potsdam bietet hier seine Hilfe an. Die Mitarbeiter*innen stehen gerne zur Verfügung, um Sie im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer zu beraten und zu unterstützen. In Trauergruppen für Einzelne, Familien, Kinder und Jugendliche bietet der Hospizdienst Begleitung auf dem Trauerweg an.

Für die Trauernden sind alle Angebote kostenlos, und damit das so bleiben kann, werden Ihre Spenden benötigt, da Trauerangebote nicht durch öffentliche Mittel gefördert werden.

Vielen Dank!!!

Heike Borchardt

www.hospizdienst-potsdam.de

Tel.:  0331-6200250

 

Möchten Sie uns unterstützen?

Spenden bitte an die Hoffbauer-Stiftung

IBAN  DE74 3506 0190 0000 0056 57

Kennwort: Ehrenamt

 

Sonntagsbrief zum Sonntag Invokavit, 21. Februar 2021

Liebe Menschen aus unserer Gemeinde,

ab diesem Sonntag feiern wir wieder Gottesdienst in unserer Martin-Luther-Kapelle. Deshalb wird dies der letzte Sonntagsbrief sein, der Sie erreicht.

Wir sind guter Hoffnung, dass mit dem einsetzenden Frühling auch bald wieder mehr Leben in unsere Gemeinde kommt.

Mit den Schulöffnungen können wir zumindest mit Kindern und Konfirmanden bald wieder beginnen. Das macht Lust auf mehr!

 Bleiben Sie gesund und behütet.

Ihre Pfarrerin Madeleine Mieke

 --------------------------------------------------------------------------------------------------

 Wochenlied (EG 347)

 1. Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ,

    daß uns hinfort nicht schade / des bösen Feindes List.

 2. Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert,

    daß uns sei hier und dorte / dein Güt und Heil beschert.

 3. Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht;

    dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht.

 4. Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr;

   dein Gnad und alls Vermögen / in uns reichlich vermehr.

 5. Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held,

    daß uns der Feind nicht trutze / noch fäll die böse Welt.

 6. Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott;

    Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not.

 

Gedanken zum Predigttext: Johannes 13, 21-30

Wissen Sie, was die Worte „Störenfried“ und „Judas“ gemeinsam haben?

Deutsche Standesämter haben es im Blick auf das Kindeswohl abgelehnt, Neugeborenen die Vornamen Störenfried oder Judas zu geben. Möchten Sie Judas genannt werden?

Mit dem Beginn der Passionszeit tritt Judas ins liturgische Rampenlicht. Als Kind habe ich gelernt: „Das war der Halunke, der Jesus verraten hat. Ein geldgieriger, egoistischer Typ!“ Später lernte ich eine andere mögliche Facette von ihm kennen. Immerhin spricht einiges dafür, dass er aus politischer Enttäuschung eine Situation erzwingen wollte. Sein Hass auf die römische Besatzungsmacht war groß. Es musste sich etwas ändern. Judas trieb die Entwicklung auf die Spitze und provozierte Jesus zum Handeln. Dass das am Kreuz enden würde, war sicher nicht gewollt.

Und nun einmal ganz nüchtern gefragt: Was hat er denn verbrochen? Ein Geheimnis verraten, ein Versteck auffliegen lassen? Das war doch alles bekannt. Jesus wirkte öffentlich. Gut, er hat den Zeitpunkt der Verhaftung arrangiert, aber das hätten die Römer auch ohne Judas hinbekommen.

Möglich, dass Judas in einem Dilemma steckte. Er musste einen Menschen verraten, weil er in einer konkreten geschichtlichen Situation dafür sorgen wollte, dass ein Volk von seinen Besatzern befreit wird. Judas, ein Mensch, der an höhere Werte glaubte? Ja, der Spieß ließe sich sogar ganz umdrehen. Was wäre, wenn Judas Jesus nicht verraten hätte? Wäre er gekreuzigt worden? Was wäre mit der Auferstehung? Und gäbe es das Christentum ohne diesen Verrat? 

Judas, du Böser! Eine perfekte Projektionsfläche für alle, die es sich gern leicht machen mit Schuldzuweisungen. „Du bist ein Judas!“, nein, so möchte ich nicht bezeichnet werden und doch ist er mir näher, als mir lieb ist. An Judas wird deutlich, wie schnell wir in Gut und Böse verstrickt sind. Es zeigt sich, wie das, was mit gutem Willen begonnen wird, unter Umständen in Schuld und Versagen endet.

Er öffnet uns die Augen für Situationen, in denen Menschen nur zwischen dem kleineren oder größeren Übel wählen können, wohl wissend, dass sie, wie immer sie auch entscheiden, damit nicht glücklich werden können.

Beispiele dafür gibt es viele. Eheleute mit Kindern. Die Beziehung ist nicht mehr zu retten. Lebt man weiter unter einem Dach als „Familie“ oder trennt man sich doch wenigstens räumlich und lässt die Kinder damit leben, dass es „die Familie“ nicht mehr gibt?

Nach der Wende - ich weiß nicht, wie viele Pfarrer und Pfarrerinnen und andere kirchliche Mitarbeiter für die Stasi gearbeitet haben. Nach herkömmlicher Definition alles „Judasse“. Ihr Handeln wurde als Verrat erlebt und hat Biografien ans Kreuz genagelt.

Ich denke an eine Szene mit meinem Sohn. Er war vielleicht sechs Jahre alt. Ein Bekannter provozierte ihn so lang, bis mein Sohn es nicht mehr ertrug und wild um sich schlug, auch den Bekannten. Ich schäme mich heute noch dafür, dass ich den Bekannten nicht in die Schranken gewiesen habe, bevor mein Sohn vor Demütigung weinend um sich schlug. Ich war ein Judas. Ich habe schlicht versagt.

Und Sie? Was erinnern Sie an ähnlichen Erfahrungen aus Ihrem Leben? Oder lehnt Ihr „inneres Standesamt“ es ab, einmal den Judas in Ihnen anzuschauen und beim Namen zu nennen?

Judas ist in kirchlichen und weltlichen Strukturen zu Hause. In meinen dunklen Momenten stecke ich in seiner Haut. Judas steht für das nicht gehaltene Versprechen, den Vertrauensbruch, den Verrat an einer Sache und an Menschen.

Ich und Sie, wir dürfen nur hoffen, dass unser Versagen und Schuldigwerden, wenn schon nicht verstanden, dann hoffentlich aber vergeben wird. Und wir können darum bitten: „… und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. …“

Einen gesegneten Sonntag, Ihr Jörg Baruth

 

Gebet

Gott, der du uns wie Mutter und Vater bist,

wenn wir bloß an uns selbst denken, erinnere uns an dein Erbarmen,

wenn wir bloß an andere denken, schenke uns Erbarmen für uns selbst,

und wenn wir hin und her gerissen sind, dann lass uns immer danach fragen, was dem Zusammenleben dient.

 

Was uns in dieser Stunde bewegt, Ereignisse, die uns zu Herzen gehen, und Menschen, um die wir Sorge tragen, Erfahrungen, für die wir dankbar sind, bringen wir vor dich in der Stille. ...

Wir bitten dich: Herr, erbarme dich.  Amen

_____________________________________________________________

Kollekte

Wir erbitten am Sonntag Invokavit Ihre Kollekte nach dem Beschluss des Gemeindekirchenrats für den Hospizdienst Potsdam-Hermannswerder.

Spenden bitte an:

KVA Potsdam-Brandenburg

IBAN DE 12 5206 0410 0003 9098 59

BIC: GENODEF1EK1 – Verwendungszweck: cod. 2002, Hospizdienst Potsdam 21.02.

Wenn Sie für unsere eigene Gemeinde spenden möchten, verwenden Sie bitte den Verwendungszweck „2002 Eigene Gemeinde“.

Sonntagsbrief zum Sonntag Estomihi, 14. Februar 2021

 

Liebe Menschen aus unserer Gemeinde,

der Sonntag vor der Passionszeit, Estomihi, liegt vor uns. Der eine oder die andere hat sich vielleicht schon überlegt, worauf er oder sie in der Fastenzeit in diesem Jahr verzichten möchte. Dazu ein paar Gedanken zum Predigttext des Sonntags Estomihi.

Noch am kommenden Sonntag (7.2.) zum Glockengeläut um 9.30 Uhr ist die Martin-Luther-Kapelle für das Gebet geöffnet. Sie sind willkommen!

Alles weitere zu den Gottesdiensten finden Sie weiter unten.

Bleiben Sie gesund und behütet.

Ihre Pfarrerin
Madeleine Mieke

______________________________________________________________

 

Wochenlied (EG 401)

 

1. Liebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht,

Liebe, die du mich so milde nach dem Fall hast wiederbracht:

Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

 

2. Liebe, die du mich erkoren, eh ich noch geschaffen war,

Liebe, die du Mensch geboren und mir gleich wardst ganz und gar:

Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

 

3. Liebe, die für mich gelitten und gestorben in der Zeit,

Liebe, die mir hat erstritten ewge Lust und Seligkeit:

Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

 

4. Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahrheit, Geist und Wort, Liebe,

die sich ganz ergeben mir zum Heil und Seelenhort:

Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

 

 _____________________________________________________________

 

Gedanken zum Predigttext (Jesaja 58, 1-9a)

 

In der kommenden Woche, am Aschermittwoch, beginnt die Passionszeit. Viele nehmen sich vor, in der Fastenzeit bewusst auf etwas zu verzichten: Sieben Wochen ohne Fleisch oder ohne Alkohol oder ohne Süßigkeiten, vielleicht auch sieben Wochen ohne schlechte Angewohnheiten.

Die Fastenaktion der Evangelische Kirche heißt in diesem Jahr: „7 Wochen ohne Blockaden“. Was man sich darunter wohl vorstellen kann? Es gibt Fastengruppen, die miteinander heilfasten, das heißt für eine Weile gänzlich auf feste Nahrung verzichten. Und seit ein paar Jahren heißt es auch „Klimafasten“, wo man sich bemüht, anders einzukaufen, weniger Energie und Wasser zu verbrauchen und überhaupt auf Überflüssiges zu verzichten und so einen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten.

Das eine oder andere habe ich auch schon ausprobiert. Und doch fragt mich und uns alle der Prophet Jesaja an diesem Sonntag: Ist das ein Fasten, an dem Gott Gefallen hat?

„Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast! Gib frei, die du bedrückst! Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“ 

Das ist ein Fasten, an dem Gott Gefallen hat.

Gottes Verheißung gilt denen, die für das Recht aller eintreten.

Fasten bedeutet Verzicht, aber nicht Verzicht um der schlanken Linie oder der Gesundheit willen, sondern Verzicht meint hier: Teilen.

Geld und Besitz, Zeit, eigene Ansprüche. Dieser Verzicht kann wirklich schmerzhaft sein. Es ist Verzicht um der anderen willen. Verzicht, damit Gerechtigkeit unter uns wachsen kann. So kann unser aller Leben reich werden.

Brot für die Hungrigen, ein Obdach für die Heimatlosen, Versorgung mit dem, was zum Leben nötig ist.

In den hinter uns liegenden Monaten ist für manche die Not immer größer geworden. Wir müssen uns nur umsehen.

Viele Menschen haben ihre Arbeit und jegliche Perspektive verloren.

Viele Menschen warten sehnsüchtig darauf, besucht zu werden, warten auf Menschen, die Zeit für sie haben.

Viele Kinder, die in schwierigen Verhältnissen leben, haben es gerade jetzt noch schwerer als sonst und brauchen sie ein offenes Ohr und Hilfe.

Viele Menschen kommen auf gefährlichen Wegen von weit her zu uns und haben nichts als Angst und das, was sie auf dem Leib tragen.

Die Not ist nicht weit weg. Nutzen wir also die Fastenzeit und stellen uns und unsere Verhältnisse auf den Prüfstand. Gottes Willen und unser Handeln als Christinnen und Christen müssen zusammen passen.

Dann erscheint Gott in seiner Herrlichkeit und wird sagen: „Hier bin ich.“

 ____________________________________________________________

Gebet

Gott, unser Schöpfer und unser Retter, wir danken dir, dass du uns nahe bist, und uns dazu rufst, nach deiner Weisung zu leben.

So kommen wir zu dir und bitten dich:

Hilf uns verantwortlich umzugehen mit dem, was du uns gibst;

dass wir wahrnehmen, wie andere Menschen Not leiden;

dass wir anfangen, zu teilen und zu geben.

Wir bitten dich für alle Menschen, die Hunger leiden, und die hungern nach deinem Reich, für alle, die ohne Obdach sind, und die sich sehnen nach Geborgenheit in dir, für alle, die in wirtschaftlicher und seelischer Not sind, und die sich wünschen, dass es ihnen gut geht, für alle, denen ihre Rechte vorenthalten werden, und die hoffen auf deine Gerechtigkeit:

Lass sie deine Zuwendung erfahren und lass uns Boten deiner Liebe sein.

Guter Gott, wir sehnen uns nach deinem Segen, so hilf uns zu einem Leben in deiner Nachfolge, und sei bei uns alle Tage bis an der Welt Ende. Amen

______________________________________________________________

Aus der Gemeinde:

Ab dem 21. Februar werden wir wieder Gottesdienste in der Martin-Luther-Kapelle feiern. Wir behalten die bisherigen Abstands- und Hygieneregeln bei: Der Gottesdienst wird in kurzer Form und ohne Gemeindegesang gefeiert. Bitte tragen Sie während der gesamten Zeit einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz und halten Sie Abstand.

Am Eingang tragen Sie sich bitte mit Namen und Telefonnummer in die Anwesenheitsliste ein.

______________________________________________________________

Kollekte

Wir erbitten am Sonntag Estomihi Ihre Kollekte für die Arbeit des Berliner Stadtklosters Segen.

Das Stadtkloster Segen ist ein Ort, an dem Menschen sich selbst, Gott und anderen Leuten begegnen können: Bei geistlichen Veranstaltungen, aber auch Konzerten und Film-Abenden. Auch Kirchenferne kommen hierher. Ein Gästehaus lädt zum Verweilen ein. Den Ort trägt eine kleine Gemeinschaft – als gemeinnütziger Verein, der auf Spenden angewiesen ist.

Spenden bitte an:

KVA Potsdam-Brandenburg

IBAN DE 12 5206 0410 0003 9098 59

BIC: GENODEF1EK1 – Verwendungszweck: cod. 2002, Amtliche Kollekte 14.02.

Wenn Sie für unsere eigene Gemeinde spenden möchten, verwenden Sie bitte den Verwendungszweck „2002 Eigene Gemeinde“.

Sonntagsbrief zum Sonntag Sexagesimae, 7. Februar 2021

Liebe Menschen aus unserer Gemeinde, mit dem Sonntag Sexagesimae beginnt die Vorpassionszeit. Der Predigttext handelt vom Gleichnis vom vierfachen Acker. Die Kraft der Botschaft von der Liebe Gottes findet sich in einem Samenkorn. In uns selbst kann sie aufgehen, sich entfalten und wirksam werden. Pfarrer Jörg Baruth hat die Andacht zu diesem Text geschrieben, die Ihnen und Euch hiermit zugeht.

Der Gemeindekirchenrat wird in der kommenden Woche darüber beraten, wie es mit den bis jetzt ausgesetzten Gottesdiensten weitergehen wird. Bitte informieren Sie sich im Aushang oder im Gemeindebüro.

Bleiben Sie gesund und behütet.

Ihre Pfarrerin Madeleine Mieke _____________________________________________________________________________________

Wochenlied: Evangelisches Gesangbuch Nr. 1961.

Herr, für dein Wort sei hoch gepreist; lass uns dabei verbleiben und gib uns deinen Heilgen Geist, dass wir dem Worte glauben, dasselb annehmen jederzeit mit Sanftmut, Ehre, Lieb und Freud als Gottes, nicht der Menschen.

2.Öffn uns die Ohren und das Herz, daß wir das Wort recht fassen, in Lieb und Leid, in Freud und Schmerz es aus der Acht nicht lassen; daß wir nicht Hörer nur allein des Wortes, sondern Täter sein, Frucht hundertfältig bringen

 

Gedanken zum Predigttext: Lukas 8, 4-8

Ich muss Ihnen etwas gestehen: Ich wäre eigentlich ganz anders. Ich bin nur nicht dazu gekommen! Meine Mutter war eine gläubige Frau, mein Vater kam aus einem Elternhaus, wo der DDR-Atheismus zum täglichen Brot gehörte. „Zeig mir Gott, dann glaube ich an ihn! Glauben ist etwas für die ewig Gestrigen.“ - Sprüche meines Opas. Als kleiner Junge wollte ich sein wie „die Männer“. Meine Mutter hat mich darum die ersten Male widerwillig zur Christenlehre schleppen müssen. Ich habe mich mit der ganzen Männlichkeit eines Erstklässlers dagegen gesträubt. Einmal riss ihr die Geduld und sie gab mir einen Katzenkopf.

Jeder, der schon einmal versucht hat, andere Menschen dazu zu bewegen, sich in einer bestimmten Weise zu verhalten, wird dieses Gleichnis verstehen. Dazu kommt: In unserer Gesellschaft zählt Erfolg. Insofern fängt die Geschichte gut an. Lukas berichtet von „einer großen Menschenmenge“. Viele Zuhörer: „Aha, muss ein guter Prediger sein!“ 

Lese ich die Verse danach, dann stellen sich andere, uns bekannte Fragen: Lohnt sich das? Wie steht es um das Verhältnis von Verlust und Gewinn?

Jesus greift die Lebenswirklichkeit seiner Zeitgenossen auf und kalkuliert das am Beispiel von Aussaat und Ernte. 100 Samenkörner, davon gehen 75 verloren, nur 25 gehen auf und sichern die Ernte. 75 % Verlust! Aber ist das das alles Entscheidende?

Drehen wir den Spieß um und errechnen wir den Gewinn. Für die Zeit, in der Jesus lebte, habe ich keine Angaben gefunden. Im Mittelalter aber betrug der Ertrag bei der Getreideaussaat - je nach Bodenbeschaffenheit und Klima - das Zwei- bis Dreifache, im Hochmittelalter sogar das Vierfache der Aussaat. Jesus kalkuliert rund 1500 Jahre zuvor mit dem 25-fachen Ertrag. Da dürfte er also ganz schön übertrieben haben.

Ich würde Jesus jetzt unterstellen, dass er nicht protzen, sondern überzeichnen wollte. Es ging ihm darum, den Kontrast deutlich zu machen: So viel ist vergeblich gesät - und doch ist der Ertrag überwältigend groß.

Aussaat ist jahreszeitlich bedingt und überhaupt für die Mehrzahl von uns kein Thema. Im Moment plagen sich viele mit dem Homeschooling oder etwas schlichter: mit der Hausunterrichtung. In meinem Familien-und Bekanntenkreis höre ich es stöhnen. Es ist anstrengend, ja, Erziehung ist Arbeit und Erziehungsarbeit ist wie Aussaat. Man investiert viel und weiß nicht, was am Ende dabei herauskommt.

Und wie oft bleibt das Gefühl der vergeblichen Mühe. „Ich habe dir schon tausendmal gesagt: Putz dir die Zähne! ... Zieh dich warm an, sonst wirst du krank! ... Mach die Hausaufgaben gleich und schiebe das nicht ewig auf ...!“

Es gibt wohl niemanden unter uns, der solche Sprüche nicht selber gehört hat bzw. sie seinen Kindern mit einer gewissen Penetranz immer und immer wieder präsentiert hat. Richtig, manchmal ist das vielleicht auch übertrieben. Letztlich geht es doch aber darum, die nächste Generation lebenstüchtig zu machen und ihr zu vermitteln, wie wir miteinander leben können, statt immer nur zu fragen: Lohnt sich das und was bringt mir das?

Wer sät, braucht viel Geduld und Liebe, eine große Frustrationstoleranz, Kraft und Ausdauer, auch Ahnung, von dem, was er da macht... Wer sät, braucht Hoffnung weit über das Sichtbare hinaus.

Jesus war ein Meister der Hoffnung über das Sichtbare hinaus. Er hatte einen Überschuss an Vertrauen in das gute Gelingen. Also: Ihr, die Ihr jetzt im Homeschooling seid - Kinder und Erwachsene - lasst Euch nicht frustrieren. Hofft über das Sichtbare hinaus. Wer klug ist, vertraut auf das Wunder, dass am Ende die Saat überwältigend groß sein wird.

P.S. Denken Sie bitte an die Risiken und Nebenwirkungen. Das war kein Statement für die Schwarze Pädagogik. Katzenköpfe sind kein Erziehungsmittel. Wenngleich, in meinem Fall...

Mit guten Wünschen für den Sonntag,
Ihr Jörg Baruth

 

Gebet

Gott, der Du uns wie Mutter und Vater bist,
in einem Lied von Gerhard Schöne heißt es:
„Alles muss klein beginnen. Lass etwas Zeit verrinnen. Es muss nur Kraft gewinnen. Und endlich ist es groß.“

Gib mir die Hoffnung und das Vertrauen, dass auch die kleinen Dinge, die mir in meinem Lebensumfeld in diesen Tagen möglich sind, Gutes wirken können.
Gib mir die Einsicht, dass auch der kleinste Versuch ein Leben zu führen, in dem nicht zuerst die Frage steht: „Was bringt mir das und lohnt es sich?“, ein guter Beitrag ist, das Leben mit- und füreinander zu leben.
Gib mir die Geduld, auf lange Sicht zu handeln und nicht
gierig dem schnellen Erfolg nachzujagen.
Mache mich frei, mich allein von Zahlen oder groß daherkommenden Worten beeindrucken zu lassen.
Gib mir die Gewissheit, dass alle Zeit und Mühe und Liebe, die ich für die aufbringe, die mir anvertraut sind, am Ende als Segen auf dem Acker meines Lebens aufgehen werden.
In der Stille bete ich für die, die mir heute besonders am Herzen liegen
...Amen.

 

Aus der Gemeinde:Sonntags zum Glockengeläut um 9.30 Uhr ist die Martin-Luther-Kapelle für das Gebet geöffnet. Sie sind willkommen!

 

Kollekte

Wir erbitten am Sonntag Sexagesimae Ihre Kollekte für die Arbeit des Gemeinschaftswerkes Berlin-Brandenburg e. V.

In den zahlreichen Angeboten des Gemeinschaftswerks Berlin-Brandenburg finden Menschen aller Generationen und verschiedener Herkunft zueinander. An über 120 Orten in Stadt und Land ergänzen und bereichern Gemeinschaftsstunden, Bibelkreise, Hauskreise, Kinder- und Jugendarbeit das kirchliche Angebot vor Ort. Die herzliche und offene Einladung zum Kennenlernen des christlichen Glaubens, zur Begegnung und gemeinsamen Feiern, zur gegenseitigen Unterstützung und zum Austausch gehören zu den Aktivitäten der Landeskirchlichen Gemeinschaften. Kinder-, Jugend-, Familien- und Seniorenfreizeiten runden dieses Angebot ab und führen Interessierte in christlicher Gemeinschaft zusammen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.gwbb.de

Spenden bitte an:
KVA Potsdam-Brandenburg
IBAN DE 12 5206 0410 0003 9098 59 BIC: GENODEF1EK1 – Verwendungszweck: cod. 2002, Amtliche Kollekte 07.02.

Wenn Sie für unsere eigene Gemeinde spenden möchten, verwenden Sie bitte den Verwendungszweck „2002 Eigene Gemeinde“.

Sie können für die amtliche Kollekte auch das Spendentool der Landeskirche verwenden, dazu gehen Sie bitte auf die Seite www.ekbo.de/spenden

Sonntagsbrief zum letzten Sonntag nach Epiphanias

 Liebe Menschen aus unserer Gemeinde,

 die Weihnachtszeit neigt sich ihrem Ende entgegen. Der letzte Sonntag nach Epiphanias markiert den Übergang von der Weihnachtszeit zur Passionszeit. Vom Licht und von der Verklärung Jesu ist heute die Rede. Zugleich erinnern wir uns in diesen Tagen an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945. Eine Frau, die dieses Lager nicht überlebt hat, wird in diesem Sonntagsbrief zu Wort kommen.

Der Morgenstern, das Licht vom Licht, es soll uns begleiten in dieser Woche, in der es wieder ein Stück heller geworden ist.

Möge es auch in uns hell sein!

 Bleiben Sie gesund und behütet.

 Ihre Pfarrerin Madeleine Mieke

______________________________________________________________________

 

Aus der Gemeinde:

 Sonntags zum Glockengeläut um 9.30 Uhr ist die Martin-Luther-Kapelle für das Gebet geöffnet.

Sie sind willkommen!

 Wir erbitten am letzten Sonntag nach Epiphanias Ihre Kollekte für die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V. Die Freiwilligen von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste setzen mit ihrer Arbeit jeden Tag Zeichen der Verständigung über die Gräben der Vergangenheit hinweg. Sie arbeiten mit Überlebenden des Holocaust, setzen sich für Benachteiligte ein, arbeiten mit Menschen mit Behinderungen und in der politischen Bildung. In ihrem Freiwilligendienst wird die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft täglich und tätig erfahrbar. Bitte unterstützen Sie diese Arbeit und ermöglichen einen Freiwilligendienst, der Zukunft ermöglicht.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.asf-ev.de

 Spenden bitte an:

KVA Potsdam-Brandenburg

IBAN DE 12 5206 0410 0003 9098 59

BIC: GENODEF1EK1 – Verwendungszweck: cod. 2002, Amtliche Kollekte 31.01.

 Wenn Sie für unsere eigene Gemeinde spenden möchten, verwenden Sie bitte den Verwendungszweck „2002 Eigene Gemeinde“.

 Sie können für die amtliche Kollekte auch das Spendentool der Ev. Kirche verwenden, dazu gehen Sie bitte auf die Seite www.ekbo.de/spenden

___________________________________________________________________

 

Lied: Ev. Gesangbuch Nr. 74

 1. Du Morgenstern, du Licht vom Licht, das durch die Finsternisse bricht, du gingst vor aller Zeiten Lauf / in unerschaff‘ner Klarheit auf.

 2. Du Lebensquell, wir danken dir, auf dich, Lebend’ger hoffen wir, denn du durchdrangst des Todes Nacht, hast Sieg und Leben uns gebracht.

 3. Du ew’ge Wahrheit, Gottes Bild, der du den Vater uns enthüllt,
du kamst heran ins Erdental / mit deiner Gotterkenntnis Strahl.

 4. Bleib bei uns, Herr, verlaß uns nicht, führ uns durch Finsternis zum Licht, bleib auch am Abend dieser Welt / als Hilf und Hort uns zugesellt.

 

Gebet

 Gott, Licht der Welt,

alle Dunkelheit unserer Welt bringen wir vor dich,
alle Dunkelheit in uns und um uns.
Du allein hast die Macht, sie zu erleuchten und zu vertreiben.

 Wir bringen vor dich, was unsere Seele, unser Herz und unseren Verstand verdunkelt, die dunklen Ecken unserer Erde, wo Menschen gedemütigt, erniedrigt und gefoltert werden.

 Wir bringen vor dich die Kinder aus den Kriegsgebieten, aus den Flüchtlingslagern, aus den Slums und all die Völker, die keine Aussicht auf ein selbstbestimmtes Leben haben.

 Wir bringen vor dich unseren Zweifel, unsere Angst und unsere selbstsüchtigen Sorgen, die uns den Blick auf das wirklich Wichtige im Leben verstellen.

 Wir vertrauen darauf, dass durch dich eine Zeit kommt, in der alle Dunkelheit, alle Angst und alle Todesfurcht vergangen ist.

Bis dahin lass uns Menschen begegnen, die leuchten - und lass uns Menschen werden, die anderen leuchten. Amen.

 

Gedanken zum Predigttext: 2. Petrusbrief 1, 16-19

 Kinder hören gern Geschichten. Seit Menschengedenken haben Menschen Geschichten erzählt, weitergegeben, vom Mund zum Ohr und später wurden sie aufgeschrieben: Geschichten, Märchen, Fabeln. Als Kind hat man keinen Zweifel daran, dass der Prinz die Prinzessin vor dem bösen Drachen gerettet hat. Je älter wir werden, desto mehr wird uns klar, was Wahrheit ist und was Fiktion.

 Das Evangelium dieses Sonntags erzählt, wie Jesus und drei seiner Jünger, Petrus, Jakobus und Johannes, auf einen Berg gingen. Dort sehen die Jünger, wie Jesus in gleißendes, himmlisches Licht getaucht wird. Sie hören eine Stimme vom Himmel: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!“ (Matthäus 17,5).

 Dieses Ereignis veranlasst den Schreiber des Briefes, der sich Petrus nennt, den Christen in den ersten Gemeinden, die anfangen zu zweifeln, Jesus als das Licht der Welt zu bezeugen. In diesem Licht ist kein Schatten, keine Dunkelheit, keine Finsternis mehr.

Dass dies keine ausgedachte Geschichte, keine Fabel, kein Märchen ist bekräftigt der Schreiber des 2. Petrusbriefes:

 „Denn wir sind nicht klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft unseres Herrn Jesus Christus kundtaten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe.“

 Ein Wort, das Licht in einer dunklen Zeit sein kann, das Halt gibt und Orientierung in Unsicherheit und Zweifel.

Ich habe über eine Frau gelesen, in deren Herzen das Licht wie ein Morgenstern aufgegangen ist: die niederländische Jüdin Etty Hillesum.

Sie ist am 30. November 1943 im Konzentrationslager Auschwitz gestorben, da war sie 31 Jahre alt. 1941 fing sie an, Tagebuch zu schreiben. Als sie deportiert wurde, hat sie ihre Tagebücher ihrer Freundin anvertraut. Doch erst vierzig Jahre nach ihrem Tod sind sie 1983 unter dem Titel „Das denkende Herz der Baracke“ verlegt worden.

 Ihre Freunde erzählten, dass sie die Bibel stets zur Hand, vor allem aber im Herzen hatte, wodurch ihr innere Freiheit und Zuversicht geschenkt wurden. Sie selbst schreibt:

 „Es gibt Augenblicke, in denen ich mich wie ein kleiner Vogel in einer großen schützenden Hand geborgen fühle. Gestern war mein Herz ein in der Falle gefangener Vogel. Jetzt ist der Vogel wieder frei und fliegt ungehindert über alles hinweg.“ 

 Selbst in Auschwitz geht von Etty Hillesum ein Licht aus. Überlebende beschreiben sie als leuchtende Persönlichkeit. Ihr letzter Tagebuchentrag schließt mit dem Wunsch: „Man möchte ein Pflaster auf vielen Wunden sein.“ Für Etty Hillesum ist Gott ein Licht am dunklen Ort geworden, sein Wort ist aufgegangen in ihrem Herzen wie der Morgenstern und hat es frei und leicht gemacht.

 Es gibt Worte, die leuchten, so wie Jesus auf dem Berg geleuchtet hat. Es ist ein Leuchten, das alle Dunkelheit, alle Angst und alle Furcht vergangen sein lässt.

Wir können uns erleuchten lassen, wir können auf das Wort lauschen, es in uns klingen lassen und warten, bis es in uns leuchtet, bis der Morgenstern in unseren Herzen aufgeht. Auch und gerade jetzt in dieser Zeit der Unsicherheit.

 Welches Wort der Schrift, welche Geschichte geht Ihnen zu Herzen?

 Lassen Sie sie zu sich sprechen, denn sie ist wahr!

 
 

Sonntagsbrief zum 3. Sonntag nach Epiphanias
Liebe Menschen aus unserer Gemeinde,
heute erreicht Sie der neue Sonntagsbrief mit einer sehr eindrücklichen Andacht von Pfarrer Baruth.
Wir blicken gespannt auf Zahlen in diesen Zeiten und ein kleines Fünkchen Hoffnung am Horizont zeichnet sich ab.
Möge Gott es schenken, dass wir uns bald wieder näher begegnen können.
Bleiben Sie gesund und behütet.
Ihre Pfarrerin Madeleine Mieke
_________________________________________________________________________________

Sonntags um 9.30 Uhr ist die Martin-Luther-Kapelle für das Gebet geöffnet. Sie sind willkommen!

Wir erbitten am 3. Sonntag nach Epiphanias Ihre Kollekte für die Telefonseelsorge im Kirchenkreis Potsdam.

Spenden bitte an:
KVA Potsdam-Brandenburg
IBAN DE 12 5206 0410 0003 9098 59
BIC: GENODEF1EK1 – Verwendungszweck: cod. 2002, Amtliche Kollekte 24.01.

Wenn Sie für unsere eigene Gemeinde spenden möchten, verwenden Sie die gleiche Kontoverbindung und geben „eigene Gemeinde“ an.
_________________________________________________________________________________

Gedanken zum Predigttext, Rut 1, 1-19a
Am 20. Januar 1945 wurde mein Großvater in der Nacht zum Volkssturm eingezogen, seitdem ist er verschollen. Meine Großmutter flüchtete mit vier Kindern einen Tag später aus einem kleinen Dorf in Schlesien. Die Flucht führte sie schließlich im Dezember 1946 in ein Auffanglager bei Treuenbrietzen.
Das sind meine ersten Gedanken zu diesem Predigttext.
Auch der Text im Buch Ruth hat eine Flucht zum Ausgangspunkt. Die Erzählung hier erinnert die Erfahrung von Flucht und Migration einer Familie aufgrund einer Hungersnot. Es ist die Geschichte des Überlebenskampfes zweier bzw. zunächst noch dreier Frauen in einer von Männern geprägten Welt, in der vor allem arme und kinderlose Witwen schutzlos waren. Eine Frau ohne Mann und Söhne war zu dieser Zeit ein soziales Nichts.
Drei Frauen flüchten ohne Schutz und Begleitung. Damals so lebensgefährlich, wie vor 76 Jahren, genau so, wie auch heute noch. Naomi bittet ihre Schwiegertöchter aus tiefer Sorge um deren Zukunft umzukehren, um im alten Familiensystem „Ruhe zu finden, jede im Haus ihres Mannes“
(V 9).
Die drei Frauen haben eine tiefe emotionale Bindung zueinander. Sie weinen zusammen. Naomi argumentiert mit den sozialen Gegebenheiten jener Zeit. Sie möchte ihre Schwiegertöchter vor den Gefahren und Ungewissheiten der gemeinsamen Flucht bewahren. Orpa lässt sich überzeugen, ein letzter Kuss und sie kehrt um. Rut aber lässt sich nicht überreden.
Sie bleibt und bekundet ihre grenzenlose Verbundenheit mit ihrer Schwiegermutter in einem sehr emotionalen Treuegelöbnis (V. 16-17). Diese beiden Verse sind heute zu einem beliebten Trauspruch geworden.
Ursprünglich ist es eine Frau gewesen, die sich hier einer anderen, älteren Frau bedingungslos anvertraut. Sie bricht damit in radikaler Weise mit allen Konventionen und Sicherheiten jener Zeit.
Die Flucht gelingt und beide Frauen beginnen, sich ein neues Leben in Bethlehem aufzubauen. Naomi und Ruth haben die Flucht überlebt und sie bauen sich eine neue Zukunft fernab der gewohnten und vermeintlich sicheren Verhältnisse, aus denen sie stammen, auf. Sie sind diesen bitteren Weg im Vertrauen auf Gott gegangen. Sie haben dabei - gezwungenermaßen -, riskiert, aus vorgegebenen Normen und Verhaltensmustern auszusteigen. Es gelang ihnen, weil sie sich einander anvertraut haben. Bewältigt haben sie diese Entwurzelung, weil sie auf Gott vertrauten und weil sie aus diesem Vertrauen die Kraft und den Mut fanden, sich ohne Wenn und Aber auf die ungewisse Zukunft und aufeinander einzulassen und sich aneinander zu binden.
In dieser Woche jährt sich zum 76. Mal die Flucht meiner Mutter und ihrer Familie. „Wir hatten nichts! Nur das, was wir auf dem Leibe trugen und unseren Glauben.“, das habe ich als Kind von Mutter über die Flucht erfahren. Mir persönlich ist Flucht aufgrund von Krieg oder Hunger bisher erspart geblieben.
Gott sei Dank! Das Gefühl entwurzelt zu sein, weil ich aus vorgegebenen Normen und Verhaltensmustern ausgestiegen bin, das kenne ich aber auch. Solche Entscheidungen sind für mich eine Zumutung und sie haben einen bitteren Beigeschmack, aber am Ende halte ich es mit Naomi und Ruth und mit meiner Mutter. Das Vertrauen auf Gott hat mir noch immer neue Wege eröffnet.
Wie haben Sie es in Ihrem Leben bisher erfahren?


Einen gesegneten Sonntag,
Ihr Jörg Baruth


Wochenlied
1. Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all, lobt Gott von Herzensgrunde,
preist ihn, ihr Völker allzumal, dankt ihm zu aller Stunde,
dass er euch auch erwählet hat und mitgeteilet seine Gnad in Christus, seinem Sohne.
2. Denn seine groß Barmherzigkeit tut über uns stets walten,
sein Wahrheit, Gnad und Gütigkeit erscheinet Jung und Alten
und währet bis in Ewigkeit, schenkt uns aus Gnad die Seligkeit; drum singet Halleluja.

 

 

 

Sonntagsbrief zum 2. Sonntag nach Epiphanias


Liebe Menschen aus unserer Gemeinde,
ein gutes und gesegnetes Jahr möge uns Gott schenken, Gesundheit und Zuversicht!

Nun haben Sie also wieder einen Sonntagsbrief vor sich. Wie schon im Frühling des letzten Jahres bleibt die Kapelle für eine kleine Zeit geschlossen. Dennoch sollen Sie ein paar Gedanken zum Predigttext des kommenden Sonntags erreichen.
Ich hoffe sehr, dass ich nicht all zu viele Sonntagsbriefe verschicken muss – nicht, weil ich es nicht gern mache, sondern weil ich hoffe, dass sich die Lage bald entspannt und wir uns wieder begegnen können.

Nicht mehr lange, dann hält hoffentlich der Frühling Einzug. Noch aber sind wir eigentlich mitten in der Weihnachtszeit. Nach dem Fest der „Erscheinung“, Epiphanias, sind die Sonntage im Januar benannt und es geht in diesen Wochen um die Erscheinung der Herrlichkeit Gottes als Mensch unter Menschen, wie sie uns im Leben und Wirken Jesu offenbart wurde. Und dazu gehört auch die Freude und das Feiern: Auf der Hochzeit zu Kana beschafft er Wein, damit die Feier weitergehen kann.

Freuen wir uns also an all den Dingen, die unser Herz und unsere Seele froh machen, wenn sie auch noch so klein sind. Suchen wir nach kleinen Freudenspendern in dieser Zeit!

Bleiben Sie gesund und behütet.

Ihre Pfarrerin Madeleine Mieke