Alte Dorfkirche

Bausteine für ein Nutzungs- und Baukonzept

Blick nach Nordosten: Altes und neues Golm mit Alter Dorfkirche 2020_Bausteine für ein Nutzungs- und Baukonzept

Die Evangelische Kirchengemeinde Golm hat zwei Kirchen: Die „Neue“, sog. Kaiser-Friedrich-Kirche, etwa 140 Jahre alt, und die etwa 600 Jahre Alte Dorfkirche Golm. Seit 2009 ist die Alte Dorfkirche Golm (ältestes durchgehend genutztes Bauwerk auf der Insel Potsdam) Sanierungsbaustelle und nach der vollständigen Durchtrocknung nun sanierungsfähig.

Vorgeschichte:
Seit etwa 2004 tragen die Kirchengemeinde, der Kirchbauverein Golm, staatliche und kirchliche Denkmalpflege, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und viele Einzelpersonen Informationen über die Alte Dorfkirche Golm zusammen und sondieren Sanierungs- und Nutzungsmöglichkeiten.

Im Dezember 2018 beauftragte der Gemeindekirchenrat Golm (GKR) eine Projektgruppe aus Mitgliedern des GKR und des Kirchbauvereins, ein Bau- und Nutzungskonzept für die Alte Dorfkirche Golm zu entwickeln. Dieses wurde dem GKR im März 2019 vorgelegt. Die vorliegende Kurzfassung mit Erläuterungen (HLöh) stammt vom Januar 2020 und wurde am 10. Februar 2020 vom Gemeindekirchenrat beschlossen.
Die Alte Dorfkirche Golm ist Bestandteil des kommunalen Maßnahmeplans Golm.

Leitlinien und Erfahrungen:
Die Alte Mitte Golm bildet einen eigenständigen Bereich im sich dynamisch entwickelnden und an Einwohnerinnen und Einwohnern stark wachsenden Potsdamer Ortsteil: Internationales Flair und historischer Kern, Arbeitsplätze, Bildung, Naturräume, Wissenschaft, Wohnen und Landwirtschaft sind Nachbarn. Initiativen wie der „Gesellschaftscampus“ der Universität (Innovative Hochschule, Gesellschaftscampus. „Will Golm zu einer echten „Knowledge City“ werden, muss die Wissenschaft ihren Elfenbeinturm verlassen“, Portal. Das Potsdamer Universitätsmagazin 2/2019. S.15), die Golmer Dialoge des Wissenschaftscampus oder Aktionen der Kirchengemeinde führen Menschen zusammen und machen Lust mit zu gestalten, auf Neues und auf Kontakt. Es fehlt in Golm jedoch an Begegnungsräumen.

Die Kirchengemeinde möchte auf diese dynamische Entwicklung in Golm zugleich reagieren und sie als Akteurin gestalten („Public Space – Public Life Studies“. Vgl. Gehl, Jan; Svarre, Brigitte: How to Study Public Life.Washington, Covelo, London 2013, S. 147). Die Alte Dorfkirche Golm wird dabei zum Kristallisationspunkt der Gemeindeentwicklung – während der Bauphase selbst, indem viele mitwirken werden, sowie durch die künftige Nutzung des offenen, einladenden und zeitgemäß für flexible Nutzungen ausgestalteten Raumes.

Formen kirchlichen Lebens im 21. Jahrhundert sollen hier entwickelt und verwirklicht werden. Die Kirchengemeinde hat sich schon jetzt Begegnung und Versöhnung als Schwerpunkte gesetzt. Ging es nach der Wende zunächst um den Kontakt von Christinnen und Christen mit Atheisten (wobei es einen gemeindlichen Ost-West-Konflikt nie gab), geht es heute um die Öffnung für Internationalität und neue Formen der Spiritualität und der Gemeinschaft. Die Kirche eröffnet Erfahrungen von Freiheit und die so nötige Auseinandersetzung über Werte.

Es geht um Fragen und Veranstaltungsformate, die die Menschen unserer Zeit erreichen. Es geht darum, interreligiöse Gemeinschaft zu fördern, Kontakt zu ermöglichen und niedrigschwellige thematische Angebote und Mitwirkung zu entwickeln, mit denen die Gemeinde über den eigenen Tellerrand hinausblickt – ein Ziel, das zugleich Wirklichkeit und Vision ist.

Kirchengemeinde, Kirchbauverein und die Menschen im Ort können dafür auf bewährte Kooperationen bauen: Kirche, Vereine, Forschungsinstitute, Gruppen sowie die lokale Politik und die vielfältigen Beziehungen zur Universität in Golm, übergemeindliche wie überregionale Netzwerken sind ermutigende Kooperations- und Erfahrungsräume, die die Gemeinde zu realistischen Planungen befähigen.

Damit entwickelt die Kirchengemeinde ihr Profil weiter, das - ergänzend zu bewährten kirchlichen Aktionsformen und den gottesdienstlichen Angeboten in der Golmer „Kaiser-Friedrich-Kirche“ - mutig und fantasievoll auf Menschen in heutiger Zeit zugeht und modellhaft Angebote zur Mitwirkung einladend, selbstbewusst und menschen-freundlich gestaltet.

Dabei entstehen in einem sich fortwährend entwickelnden Prozess das Konzept und neue Formen der Spiritualität und sozialdiakonischen Engagements. Diskurs und Teilhabe dienen der Vergewisserung über das, was zu tun ist (Vgl. Schneider, Ingrid: Die Relevanz von Kirche im 21. Jahrhundert – ein integraler Blick auf ein drängendes Thema. http://www.futur2.org/article/die-relevanz-von-kirche-im-21-jahrhundert-ein-integraler-blick-auf-ein-draengendes-thema/ (Zugriff 28. 01. 2020). Ehrenamtlich und beruflich Tätige wirken in der Kirche des 21. Jahrhunderts zusammen.

Bauliche Perspektive:
Die Beteiligten sind sich dessen bewusst, dass die Alte Dorfkirche Golm als Bauwerk an sich einen Eigenwert und Ausstrahlung hat, erhaltenswürdig und inspirierend ist: “Über das individuelle Erinnern hinaus sind Kirchen Orte des kollektiven Gedächtnisses“ (Evangelische Kirche Berlin – Brandenburg – Schlesische Oberlausitz EKBO: Kirchen-Häuser Gottes für die Menschen. Zur Nutzung und Nutzungserweiterung von Kirchengebäuden Berlin 2019, S. 17). Die Alte Dorfkirche Golm fasziniert Einheimische wie Gäste, besonders auch Menschen aus fernen Ländern. Sie alle begegnen hier exemplarisch „German history and tradition“, zu der die Kirchengemeinden maßgeblich gehören.

Mit den baulichen Entscheidungen werden Vorgaben für die nächsten 100 Jahre und eine Zukunft getroffen, die wir nicht kennen. Dem wird am besten eine bauliche Ausgestaltung der Alten Dorfkirche Golm gerecht, die so viel Flexibilität wie möglich eröffnet und so wenig wie möglich bauliche Festlegungen trifft. Wenn die Gemeinde das entwickelte, auf Golm zugeschnittene Nutzungskonzept der Alten Dorfkirche Golm verwirklichen will, passt am besten ein leerer, offener Innenraum mit guter Beheizbarkeit und Beleuchtung sowie flexibler Möblierung und allen technischen (versteckten) Einbauten für zeitgemäße Nutzung. Darüber muss baufachlich und denkmalpflegerisch gesprochen werden. Deshalb wird die Zuordnung von Friedhof und Alter Dorfkirche Golm mit baulichen Maßnahmen entwickelt. Die Erlebbarkeit der Alten Dorfkirche Golm bezieht sich auch auf den Außenbereich.

Die Würde des Friedhofs und die des ehemaligen Sakralbaus bleiben verbindlich gewahrt.

Alle baulichen Entscheidungen werden selbstverständlich im Einvernehmen mit kirchlicher und staatlicher Denkmalpflege sowie dem Kirchenkreis getroffen.

Die Finanzierung der Baukosten und der Ausstattung wird als Mischfinanzierung aus Eigenmitteln und Eigenleistungen von Kirchengemeinde und Kirchbauverein, Fördermitteln und Zuschüssen geplant, wobei die Kirchengemeinde so viel beitragen möchte wie der Anteil der Stadt Potsdam sein wird.

Nutzungskonzept und Nutzungsbeispiele:
Der Mensch steht im Zentrum. Mit der Alten Dorfkirche Golm unterstützt die Kirchengemeinde das Gemeinwesen )Vgl. Evangelische Kirche Berlin – Brandenburg – Schlesische Oberlausitz EKBO: Kirchen-Häuser Gottes für die Menschen. Zur Nutzung und Nutzungserweiterung von Kirchengebäuden Berlin 2019, S. 18). Die Alte Dorfkirche Golm wird von kirchlichen und weltlichen Gruppen genutzt. Dabei ist die sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ein Plus.

Kirchengemeinde, Kirchenkreis, Kulturschaffende, Verbände und Vereine (nicht: politische Parteien), Schulen und Kindertagesstätten, Gruppen aus Bildung Wissenschaft und Öffentlichkeit sowie Einzelpersonen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Erwartungen, Lebenslagen und religiösen sowie weltanschaulichen Hintergründen können die Alte Dorfkirche Golm nutzen. Regionale kirchliche und weltliche Akteure sind schon jetzt Partner der Kirchengemeinde, z.B. Kirchenkreis, Potsdamer Pilgerwege e.V., Studierendengemeinde Potsdam, Naturschutzbund, Literaturkreis Golm, Golm Science Park – um nur einige zu nennen.

Kirchliche Nutzungsoptionen:

  • regionale Krabbelgottesdienste für die Jüngsten auf dem (beheizbaren) Fußboden
  • Hochzeiten
  • Meditationsgruppen und -workshops
  • Beerdigungen und Trauerfeiern
  • Pilgerwege und Oasentage (mit dem Verein „Potsdamer Pilgerwege“, Sonderpilgerweg 2021 in Golm geplant)
  • Musikalische Proben und Aufführungen
  • Gruppentreffen und Gremien der Kirchengemeinde, für die die Winterkirche in der Neuen Kirche Golm zu klein ist
  • Szenisches Spiel
  • Gesprächsgruppen zu Glaubensfragen, „An Jesus glauben für Anfänger“
  • Interreligiöse Begegnungen und Veranstaltungen (am Standort von Instituten und Universität nachgefragt)
  • Offene Seelsorgemöglichkeiten, „Seelsorge bei Gelegenheit“, die schon jetzt geschieht
  • Englischsprachige Begegnungen für Wissenschaftlerinnen und Wissen-schaftler aus aller Welt, die in Golm leben und arbeiten: „Get together“
  • Gottesdienste und Veranstaltungen der ökumenischen Studierendenseelsorge (bereits begonnen in der Winterkirche)
  • Adventsmarkt und Feste als Kontakt- und Begegnungsmöglichkeiten sowie mit Informationsangeboten in mehreren Sprachen zur Golmer und regionalen Geschichte.

Offene Nutzungsmöglichkeiten für Golm und die Region: 

  • Lesungen (z.B. mit Golmer Literaturclub)
  • Ortsteil-Konferenzen und -Planungsgremien
  • Zusammen mit der Bundeswehr, dem Einsatzführungskommando und der Militärseelsorge: Begegnungstage für Familien, Trauma-Arbeit
  • Vereinstreffen (z.B. „Kultur in Golm (KiG)“ und andere)
  • Lernort für Bau- und Ortsgeschichte
  • Tag des offenen Denkmals, Lebendiges Museum für Erwachsene und Kinder
  • Selbsthilfegruppen
  • Wissenschaftliche Konferenzen und Tagungen in kleinerem Rahmen zusammen mit dem Gesellschaftscampus der Universität und Instituten
  • Profil- und Themenveranstaltungen mit Dritten (z.B. Landhotel Potsdam)
  • Ausgangs- und Zielpunkt für Exkursionen (z.B. 7-Berge-Wanderung rund um Golm, BUND; Exkursionen, Freundeskreis Botanischer Garten Potsdam, Naturschutz)
  • Raum für Kunstausstellungen (z.B. „Post Mortem Felted Club“ 2019, Westphal und Veldhuis) sowie Themenausstellungen (z.B. Ikebana-Ausstellung 2010, Ausstellungen des Ortschronisten Seidel 2018 und 2019)

Ein offener, inspirierender gemeindlicher Raum zieht zu bereits bestehenden viele weitere Aktivitäten an. (Für viele Beispiele: Rodentelgenkapelle. Ziel ist, „die Kapelle zu sanieren und einer multifunktionalen Nutzung als Begegnungsstätte zuzuführen“. In: Wüstenrotstiftung (Hrsg.): Land und Leute. Die Kirche in unserem Dorf. Ludwigsburg 2019, S. 14)

Kirchbauverein und Kirchengemeinde sind entschlossen, die Alte Dorfkirche Golm zu sanieren, um in Golm mit diesem inspirierenden historischen Gebäude einen zukunftsbezogenen, Gemeinschaft stiftenden Weg zu gehen und laden zur Mitwirkung ein.

 

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