Der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände. (5.Mose 2, 7)

Über die Kirche

copyright Thomas Jahn, Potsdam

Copyright Thomas Jahn, Potsdam

Wenige Meter südwestlich der alten Dorfkirche steht am Fuße des Reiherberges die malerische neue Kirche, die "Kaiser-Friedrich-Kirche".

Sie wurde in rotem Backstein mit grünglasierten Formziegeln ausgeführt. Nahe dem Chor erhebt sich auf der Nordseite ein quadratischer Turm mit längsgerichtetem Satteldach. Der Dachreiter mußte 1970 wegen Baufälligkeit abgetragen werden. Dem aus fünf Seiten eines Achtecks gebildeten, eingezogenen Chor sind Anbauten angegliedert, im Süden die Sakristei und im Norden die Hofloge.

Das Kirchenschiff ist von einem steilen Satteldach mit Blendgiebeln überdeckt, das Chordach dagegen abgewalmt. Der Haupteingang liegt in einer westlich angefügten Vorhalle.

Durch die Innenausstattung zählt sie zu den schönsten Kirchen der Mark Brandenburg. Bereits um die Jahrhundertwende war Golm ein beliebtes Ausflugsziel. Für Berliner und Potsdamer Besucher war und ist sie durch Bahn- und Busverbindung gut zu erreichen.

Die Kirche bietet Konzerte, Abendmusiken und Vorträge an; für Gruppen nach Absprache.

 

Die Grundsteinlegung für die neue Kirche, ein Backsteinbau in neugotischen Formen, fand am 09.09.1883 statt und am 24. Juli 1886 wurde sie eingeweiht. Mit ihrem Turm beherrscht sie die lang gestreckte heutige Geiselbergstraße (früher Dorfstraße) und hat in der Verbindung mit der alten Kirche und seinem Kirchhof vor dem Hintergrund des ansteigenden Reiherberges einen besonderen Reiz.

Das Innere zeigt gleichfalls unverputzten Backsteinbau. Die Strebepfeiler sind nach innen gezogen. Das Mittelschiff besteht aus vier Kreuzgewölben, die so angelegt sind, dass Emporen angebracht werden konnten. Der Altarraum (Apsis) ist flankiert auf der westlichen Seite von der „Kaiserloge“ („Herrschaftlicher Kirchenstuhl“), auf der östlichen Seite als Gegenstück von der Sakristei. Beide hatten separate Zugänge. Die Kaiserloge ist von einem Vorraum mit einem Nebengelass getrennt.
Ein schlichtes ländliches Gepräge war trotz verschiedenartiger Einzelheiten beim Äußeren angestrebt worden, das auch im Innern bewahrt wurde. Die Dachflächen waren mit farbigen Pfannenziegeln in Musterung gedeckt. Sparsame Verwendung von Glasursteinen lockern die strengen Formen auf. Nur der Turm war mit Schiefer gedeckt. Er trug auf seiner Spitze ein Kreuz mit einem darunterliegenden Turmknopf, dem ein kupfernes Behältnis diversen Inhalts beigegeben war.

Ursprünglich hingen drei Glocken im Turm. Sie sollen in ihren Sprüchen (Ps. 68, 21; Hebr. 13, 8; 1. Joh. 3, 1) „den Dank der Gemeinde für die ihr zu Theil gewordenen Wohlthaten“ aussprechen. Insbesondere der Gunstbeweis des Kaisers, durch den der Bau der Kirche zustande gekommen ist, und die Silberhochzeit des Kronprinzenpaares, an die das neu geschaffene Gotteshaus erinnern soll, sollen in den Glocken reflektiert werden. Die kleine Glocke diente als Tauf- und Schulglocke, während die mittlere als Morgen-, Mittag- und Abendglocke sowie zu Trauungen genutzt wurde.

Das Innere der Kirche bietet etwa 350 Personen Platz. Die Gewölbeflächen und Wände waren mit einem einfachen Farbenanstrich versehen. Lediglich hervorragende Wandteile waren mit gotischen Flachmustern bemalt. Diese sind heute übermalt. Die Wände des Altarraums sind in einem dreiteiligen von Prof. Otto Knille in Berlin entworfenen Wandgemälde in Käsefarben ausgeschmückt. Das Gemälde zeigt die Hochzeit von Kanaa und wurde von Otto Dannenberg und Georg Meyn, zwei Schülern seines Meisterateliers, unter seiner Leitung ausgeführt. Weiß gekleidet steht der Heiland inmitten der Hochzeitsgäste. Links steht das Brautpaar in orientalischer Tracht, in dem manche Kaiser und Kaiserin Friedrich zu erblicken wähnen, umjubelt von einer Volksmenge, die Palmwedel schwingt; rechts die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes. Die Fenster waren überwiegend mit einer buntfarbigen, aus einfachen geometrischen Mustern bestehenden Verglasung versehen. Lediglich sieben unter den Emporen befindliche Rundfenster wichen davon ab. Sie zeigten die Wappen derjenigen alten Adelsgeschlechter, deren Vorfahren im Havellande seit Jahrhunderten ansässig oder zeitweise Besitzer der Rittergüter in Golm waren. Ihre Nachkommen hatten diese Wappenfenster gestiftet. Die von der Hagen, von Knoblauch und von Bredow gehören zu alteingesessenen havelländischen Geschlechtern, während die von der Groeben, von Lüderitz, von Schlabrendorf und von Thymen in Beziehung zu Golm standen. Die schönen alten Grabsteine aus der alten Dorfkirche, die auf Wunsch des Kronprinzen an den Innenwänden der Kirche angebracht wurden, geben eindrucksvoll Zeugnis davon.

Hatte das kronprinzliche Paar deutlich Einfluß auf die Gestaltung des Bauwerks genommen, so trug auch die innere Ausstattung Spuren ihrer persönlichen Beteiligung. Bibelsprüche, die der Kronprinz ausgewählt hatte, wurden an den Wänden angebracht. Über der Kaiserloge erblickte man den Spruch Römer 13, Vers 8, und zu beiden Seiten die Jahreszahlen 1858 - 1883. Von den Geschenken des kronprinzlichen Paares sind erwähnenswert der Glaskasten mit von ihm selbst gesammelten getrockneten Blumen von den heiligen Stätten in Palästina und eine große Altarbibel, die die Inschrift trug: „In Erinnerung an den 25. Januar 1883, Golm, den 24. Juli 1886“ darunter die eigenhändigen Unterschriften: Friedrich Wilhelm, Viktoria, Kronprinzessin, Viktoria, Sophie Charlotte, Margarete, Prinz. von Preußen. Diese Bibel ging dann nach dem Krieg verloren.

Die Baukosten beliefen sich einschließlich der Ausstattung auf 95.788 Mark. Darin enthalten sind ein von Kaiser Wilhelm I. bewilligtes Gnadengeschenk in Höhe von 39.000 Mark aus Anlaß der Silberhochzeit des kronprinzlichen Paares. Die meisten übrigen Kosten trugen der Königliche Patronatsbaufonds (39.590 M.) und der Märkische Ämter-Kirchenfonds (8.000 M.). Die Gemeinde Golm stellte den Bauplatz nebst Bausand und hatte die Hand- und Spanndienste zu leisten.

Die neue Kirche zu Golm gehört zu den weiteren drei Dorfkirchen im Potsdamer Raum, bei denen maßgeblich die Wünsche und Vorgaben des Kronprinzenpaares verwirklicht wurden: bei der Bornstedter Kirche, bei der in den Jahren 1882 und 1883 Chor und Altarraum durch Oberhofbaurat Reinhold Persius erweitert wurde, bei der Errichtung eines Erweiterungsbaus der Kirche in Eiche und beim Neubau der Kirche in Geltow von 1885 bis 1887 nach dem Vorbild der Kirche von Terlan bei Bozen/Südtirol.

Die Kronprinzessin Viktoria, die sich später Kaiserin Friedrich nannte, hatte bald danach ihren Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass in den Kirchen Bornstedt, Golm, Alt Geltow und Eiche Gedenktafeln angebracht werden, die kundgeben, dass diese Kirchen auf Wunsch des Kaisers Friedrich III. neu- bzw. umgebaut wurden. Der Minister für geistliche Angelegenheiten und der Finanzminister ließen sich 1890 von Kaiser Wilhelm II. genehmigen, daß die Gedenktafeln in einfacher, würdiger Form aus Oberkirchner Sandstein hergestellt, mit eingemeisselter pigmentierter Schrift versehen, an geeigneter Stelle in die Kirchenmauern eingelassen und die Gesamtkosten aus dem Dispositionsfonds des Kaisers bestritten werden. Die Gedenktafel ist im gleichen Jahr im Kirchenschiff rechtsab vom Altarraum angebracht worden.