08.07.2020 Mi

Gedanken über Gott und unsere Welt Neuigkeit

Heute mit Marianne Rutzen aus der Nikolai-Gemeinde. Sie blickt auf viele Jahre der ehrenamtlichen Tätigkeit in St. Nikolai zurück.

Wir leben nun in einer Zeit der zunehmenden Lockerungen - doch Vieles bleibt herausfordernd und der Blick in die Zukunft ist ungewiss. Vor welchen Aufgaben stehen wir aus Ihrer Sicht je einzeln und als Gesellschaft gerade? 

Es gibt keinen Zweifel, dass die neue Realität der alten Wirklichkeit nicht mehr gleicht. Wir werden nie mehr so leben wie zuvor. Es kommt vor allem zu Umbrüchen im Miteinander. Jeder einzelne muss also seine Stellung in Gesellschaft und Gemeinde überdenken. Neue Formen des Zueinanderkommens müssen gefunden werden. Üben wir alle vorerst überall das Lächeln mit den Augen hinter Brille und Maske.

Was bedeutet Ihr Glaube für Sie in dieser Zeit? 

Der Glaube ich für mich Dreh- und Angelpunkt im Leben. Ein Weg, auf dem ich mich getragen fühle, auf dem ich immer noch weiter gehe. Luther: „ Das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden….“

Wer sind gerade ihre Helden/Heldinnen?

Helden sind Menschen, die hinhören können und tatkräftig sind. Ich bewundere diejenigen, die geduldig mit Geschädigten und Dementen in entsprechenden Einrichtungen und Heimen umgehen.

Gibt es einen Vers aus der Bibel, der Ihnen in dieser Zeit besonders häufig in den Kopf kommt?

„Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer“ (Jes 54, 10)

Mein Konfirmationsspruch, manchmal vergessen, im Lebenszyklus sich bewahrheitend.

Was macht Angst? Was macht Mut?

Brutale Ausbrüche von Gewalt, mangelnde Empathie im Alltagsleben, aber auch persönliche, altersbedingte Einschränkungen machen mir Angst. Mut und Zuversicht fasse ich, wenn mir Freundlichkeit und Achtsamkeit entgegengebracht wird.

In diesen Tagen gibt es noch kein „normales“ Gemeindeleben. Dennoch lebt einiges wieder auf - gibt es etwas, das Sie besonders berührt / beschäftigt hat in letzter Zeit?

Gottesdienst mit Abendmahl, reden mit anderen, sich „anschauen" - das fehlt mir. Überhaupt das Singen! Wenn die Gemeinde einen Teil der Lieder auf  Portikus sänge…Man stelle sich nur die Außenwirkung vor!

Stellen Sie sich vor, Sie könnten ein Wort / ein Satz für ein großes Banner an unserer Kirche auswählen – viele Menschen würden es lesen! Was sollte hier stehen?

Ich brauche ein wirklich großes Banner: wechselnde Pfade, Schatten und Licht! Alles ist Gnade, fürchte dich nicht!

Die Fragen stellte Pfarrerin Aline Seel.