23.06.2020 Di

Gespräche über Gott und unsere Welt Neuigkeit

diesmal mit Harald Geywitz aus dem Gemeindekirchenrat

Wir leben nun in einer Zeit der zunehmenden Lockerungen - doch Vieles bleibt herausfordernd und der Blick in die Zukunft ist ungewiss. Vor welchen Aufgaben stehen wir aus Ihrer Sicht je einzeln und als Gesellschaft gerade? 

Wir alle miteinander haben viele Ungewissheiten zu ertragen. Was heute noch richtig erscheint, halten wir am nächsten Tag für übertrieben - und umgekehrt. Darum ist es Aufgabe aller, die an das Wohlergehen ihres Nächsten denken, zunächst der Vernunft Gehör zu schenken, wahrzunehmen, was Wissenschaften uns zu sagen haben. Und dann mit klarem Verstand und liebendem Herz, das Richtige zu tun. Das klingt ganz groß, ist aber für jeden von uns im Alltag, im Umgang mit den Nachbarn oder mit der Oma, die so gerne ihre Enkel sehen möchte, die herausfordernde Aufgabe.

Was bedeutet Ihr Glaube für Sie in dieser Zeit? 

Halt in manchmal schwierigen Zeiten und Zumutung, wenn man merkt, wie eine Krise nicht nur die guten Seiten an einem selbst zum Vorschein bringt.

Wer sind gerade ihre Helden/Heldinnen?

Die Pfarrer*innen in der Krankenhausseelsorge, die häufig wenig bemerkt ihren so wichtigen Dienst tun. Und alle Eltern, deren pädagogischen Fähigkeiten in Homeschooling-Zeiten größer sind als meine.

Gibt es einen Vers aus der Bibel, der Ihnen in dieser Zeit besonders häufig in den Kopf kommt?

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Der Vers aus dem 2. Timotheus-Brief ist unser Trauspruch. In der aktuellen Situation mahnt er mich, nicht in Furcht zu verharren, sondern kraftvoll zu tun, was uns möglich ist und dabei auf Gottes Liebe zu zählen und die Besonnenheit nicht zu oft zu vernachlässigen.

Was macht Angst? Was macht Mut?

Angst macht, was sich unserer Kontrolle entzieht. Und Mut macht ein befreiender Geist, der uns beflügelt, Gutes zu tun.

In diesen Tagen gibt es noch kein „normales“ Gemeindeleben. Dennoch lebt einiges wieder auf - gibt es etwas, das Sie besonders berührt / beschäftigt hat in letzter Zeit?

Die Andacht am 8. Mai zum Tag der Befreiung auf unserem Portikus hat mich beflügelt, denn ohne große Ankündigung kamen ganz schön viele Menschen zusammen, die an diesem Tag gemeinsam beten und einstehen wollten für den Frieden. Ich vermisse unseren Gottesdienst mit Abendmahl und weiß, dass hier nach wie vor Geduld gefragt ist.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten ein Wort / ein Satz für ein großes Banner an unserer Kirche auswählen – viele Menschen würden es lesen! Was sollte hier stehen?

Falls das Banner ein großes LED-Display wäre, könnte jeden Tag ein neues Wort stehen und gelesen werden… Aber ich will mich nicht drücken vor der Qual der Wahl: Die Liebe bleibt.