Jesus spricht: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! (Johannes 7, 37)
30.09.2016 Fr

Ein Stolperstein für Gustav Herzfeld - Potsdamer Jugendliche recherchieren Neuigkeit

Evangelisch getauft - als Jude verfolgt. Potsdamer Jugendliche erforschen für eine Stolperstein-Verlegung das Leben Dr. Gustav Herzfelds

Am Mittwoch, den 5.10.2016 um 18 Uhr laden der Historiker Dr.
Sascha Topp, der Mitarbeiter der Erinnerungskultur der Landeshauptstadt Potsdam, Tobias Büloff, und Stadtkirchenpfarrer Simon Kuntze Jugendliche in den Gemeinderaum der Friedenskirche Potsdam-Sanssouci, Am Grünen Gitter 3, 14469 Potsdam, ein, um zum Leben Dr. Gustav Herzfelds zu recherchieren.

Gustav Herzfeld kam 1861 in New York als Sohn eines aus Neuss am Rhein stammenden Bankiers zur Welt. In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts kehrte die Familie nach Deutschland zurück. 1908 trat er zum evangelischen Glauben über. 1914 eröffnete er in Potsdam seine Anwaltskanzlei. Gustav Herzfeld war sozial engagiert und beriet mittellose Potsdamer Bürger. Er war angesehenes Gemeindeglied der evangelischen Bornstedter Kirchengemeinde. Unter der nationalsozialistischen Herrschaft wurde er - wie alle Christen jüdischer Herkunft - als Jude verfolgt. Er konnte seinen Beruf nicht mehr ausüben, musste sein Haus veräußern, und wurde mehr und mehr isoliert. Am 4.10.1942 wurde Gustav Herzfeld nach Theresienstadt deportiert. Wenige Wochen später kam er ums Leben.

In dem Recherche-Projekt zu Gustav Herzfeld – eine Kooperation der evangelischen Kirchgemeinde und der Landeshauptstadt Potsdam – werden die Jugendlichen in Archiven nach Material zum Leben Gustav Herzfelds und seiner Familie suchen und erforschen, wie die evangelische Kirche sich zu den Christen jüdischer Herkunft gestellt hat. Das Projekt ist Teil der Aktion „Stolpersteine – Ein Kunstprojekt für Europa“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig, das an die Menschen erinnern EVANGELISCHE KIRCHE IN POTSDAM soll, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben, deportiert und ermordet wurden. Seit 2008 werden in der Landeshauptstadt Potsdam Stolpersteine verlegt. Begleitend dazu recherchieren Schülerinnen und Schüler das persönliche Schicksal der Opfer. Damit erhalten die Namen auf den Steinen eine Lebensgeschichte, veröffentlicht in einer Broschüre.

Zum Abschluss des Projektes wird im März 2017 ein Stolperstein am Ort des früheren Wohnhauses Gustav Herzfelds in der Potsdamer Straße 26 verlegt.

Stadtkirchenpfarrer Simon Kuntze zu dem Projekt: „Gustav Herzfeld war ein konservativer Potsdamer Bürger. Er war integriert und engagierte sich sozial. Er war auch, so weit wir wissen, noch bis in die 1940er Jahre hinein, verbunden mit der evangelischen Kirchengemeinde Bornstedt. Doch wurde er seit 1933 mehr und mehr aus diesem Leben und dieser Gesellschaft herausgerissen. Wir wollen mit den Jugendlichen diesen Weg nachzeichnen. Es ist ja nicht leicht zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass ganz normale Nachbarn mehr und mehr in die Isolation getrieben wurden und dann ohne großen Aufschrei ermordet worden sind.“

Zu dem Projekt sind Jugendliche ab 15 Jahren eingeladen. Die Teilnahme ist kostenfrei. An den Projekttagen lernen die Jugendlichen, wie sie in Archiven recherchieren und Interviews führen, und wie sie dieses Material auswerten. Einige Plätze sind noch frei.

Anmeldungen sind möglich per E-Mail unter:

Pfr. Simon Kuntze: simon.kuntze@evkirchepotsdam.de
Tobias Büloff: tobias.Bueloff@rathaus.potsdam.de