Der Herr wird dir in allen Dingen Einsicht geben. (2.Timotheus 2, 7)
17.01.2018 Mi
Gebetsläuten in der Friedenskirche

Gebetsläuten in der Friedenskirche Neuigkeit

Über die geänderte Läuteordnung der Friedenskirche und was es damit auf sich hat, schreibt Kreiskantor Johannes Lang.

Sicherlich haben Sie es schon bemerkt: Vom Turm der Friedenskirche erklingen die Glocken etwas anders, als es bisher der Fall war.

Grund ist: Der Gemeindekirchenrat hat beschlossen, die Läuteordnung (also den Plan, welche Glocke wann, wie lange und zu welchen Anlässen erklingen soll) zu modifizieren und um eine jahrhundertealte Tradition zu bereichern. Nämlich die Tradition des Betläutens. So erklingt nun an den meisten Werktagen morgens um 8 Uhr für drei Minuten die Kleine Glocke mit dem Namen „Gratia“, um 12 Uhr für drei Minuten die weitkleinste Glocke mit dem Namen „Clementia“ und um 18 Uhr für drei Minuten die zweitgrößte Glocke „Pax“. Zusätzlich wird am Samstagabend um 18.30 Uhr mit einem fünfminütigen Geläute der drei kleinsten Glocken der Sonntag eingeläutet.

Woher kommt diese Tradition und ist es in unseren heutigen Zeiten mit Digitaluhr, Smartphone etc. überhaupt nötig, so etwas wieder aufleben zu lassen?

Zunächst: Diese jahrhundertealte Tradition kommt aus den Klöstern, wo mit den Glocken zu den einzelnen, über den Tag verteilten Stundengebeten geläutet wurde. Dieser Brauch hat sich im Verlauf der Jahrhunderte in die „bürgerlichen“ Kirchen und Gemeinden verbreitet, wobei sich aus ursprünglich acht Geläuten zu den Stundengebeten bald drei über den Tag verteilte Läutezeichen zu Gebetsläuten entwickelt haben, die morgens, mittags und abends erklingen.

Gerade in unseren hektischen und betriebsamen Zeiten soll die Kirche ein Ort der Stille und der Einkehr sein und das kann durch den Klang der Glocken nach außen befördert werden. Das Hören des über den Tag verteilten Glockenläutens lädt uns zu Andacht und Einkehr an dem Ort, an dem wir sind, ein. Nehmen wir uns also beim Hören des Glockenklanges einen Moment der Ruhe und Einkehr, um ein Gebet zu sprechen und der Hektik des Alltages zu entfliehen. Das Gebetsläuten lädt uns dazu ein.

Wenn Sie sich intensiver über dieses Thema informieren wollen, sei Ihnen ein Besuch auf der Website gebetslaeuten.de ans Herz gelegt. Dort wird mit der Aktion „Hörst Du nicht die Glocken“ über Glocken und Läutebräuche informiert.

Wissen Sie eigentlich schon, was für ein „Heavy Metal“ den Campanile der Friedenskirche bevölkert? Unser Geläute besteht aus vier Glocken, die von unschätzbarem Wert sind. Sie sind sämtlich im Jahre 1849 vom Gießer Hackenschmidt in Berlin gegossen worden und sind glücklicherweise dem Einschmelzen im ersten und zweiten Weltkrieg für Rüstungszwecke gänzlich entgangen. Glocken aus dieser Epoche findet man heutzutage selten in Deutschland, ein komplettes Vierergeläute ist sogar fast eine Sensation.

Die vier Glocken im Gesamtgewicht von 1890 kg haben die Töne (fachlich richtig heißt der prägnant beim Anschlag der Glocke zu vernehmende Ton Nominal) f‘, as‘, c‘‘ und e‘‘ und tragen alle einen Namen und eine Inschrift.