Jesus spricht: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! (Johannes 7, 37)
18.11.2018 So

Herbstsynode Neuigkeit

Diakonie als Schwerpunkt und Bericht der neuen Superintendentin

Die Herbsstynode des Kirchenkreises Potsdam stand ganz im Zeichen der vielfältigen kirchlich-diakonischen Arbeit. Das Präsidium unter Leitung von Präses Britta Hüttner hatte einen großen Expert*innenkreis eingeladen. In sieben workshops konnten sich die Synodalen ein Bild der Angebote der Gemeinden und der großen Träger machen. Wie wichtig diese Arbeit ist zeigte die Synode mit dem Beschluss, einen Diakonieausschuss zu gründen.

Weiterer Schwerpunkt war der erste Bericht der neuen Superintendentin, die nach 77 Tagen ihre ersten Eindrücke schilderte. Den Bericht finden Sie hier anschließend.

 

Bericht zur Herbstsynode 2018 im Kirchenkreis Potsdam

-      Superintendentin Angelika Zädow –

Sperrfrist: 16.11.2018                         Es gilt das gesprochene Wort

Verehrtes Präsidium, Hohe Synode,

meinem ersten Synodalbericht nach heute 76 Tagen, morgen 77 Tagen Dienstzeit stelle ich ein Wort aus dem 1. Korintherbrief voran: „Nun aber bleiben Hoffnung, Liebe - diese drei. Aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

1.   Aus dem KKR -  Grund zur Hoffnung

Falkensee -  Neuanfang:

Neben bilateralen Gesprächen auf Leitungsebene gibt es erfreulicherweise den Ansatz einer gemeinsamen Arbeitsgruppe der beiden KK Falkensee und Potsdam.

Dort wird ausgelotet wie sich eine Zusammenarbeit gestalten kann.  Neben einem kirchlichen Engagement im Entwicklungsgebiet Krampnitz, werden auch andere Arbeitsfelder daraufhin ausgeleuchtet.

Die Arbeitsgruppe hat eine durchaus ambitionierte Aufgabe: Denn einerseits sollen bei der „Bespielung“ von Sozialräumen „passgenaue Ansätze“ gefunden werden (vgl. Prof Johannes Eurich, diakoniewissenschaftliches Institut Heidelberg) - andererseits wissen wir nur sehr bedingt, wie das künftige Gebiet zusammengesetzt sein wird.

Erst einmal aber bin ich sehr froh darüber, dass nach den Kommunikationsstörungen nun eine sehr konstruktive Ausgangslage zu Gesprächen geschaffen werden konnte.

Konkreteres wird in einer der kommenden Synoden sicher schon zu berichten sein.

Werder:

Nach dem Beschluss der Landessynode nehmen wir Abschied von einer Gemeinde, und vor allem von Menschen, die mit unserem Kirchenkreis eng verbunden waren.

Als „neue“ kann ich das nur mit großem Bedauern zur Kenntnis nehmen.

Die Synode hatte zwei Dinge als Bedingung für die Zustimmung des Wechsels gemacht:

a)   Finanzielle Kompensation

b)   Neuordnung von Grenzen

Der KKR hatte daraufhin eine Verhandlungsgruppe eingesetzt, die es geschafft hat, tatsächlich eine finanzielle Kompensierung zu erreichen, die uns in den kommenden Jahren „Luft“ verschafft, um einerseits den Stellenplan an die neue Situation anzupassen, andererseits über Kooperationen auch über Kirchenkreisgrenzen hinweg nachzudenken.

Auf der Landessynode wurde der zweite Teil - in die Begründung zum Beschluss mit aufgenommen.

In diesem Zusammenhang danke ich ausdrücklich allen, die miteinander gerungen, diskutiert und verhandelt haben!

AG Stadtkirchenarbeit:

Der KKR hat den vorgelegten Konzeptentwurf zur Stadtkirchenarbeit als Arbeitsgrundlage beschlossen. Die eingesetzte Arbeitsgruppe aus denjenigen, die dort tätig sind, hat bereits einen ersten Plan für 2019 erarbeitet. Einer der Schwerpunkte wird das Jubiläum der Wiedervereinigung sein.

Übrigens sollten wir auf dem Weg zu einer Neukonzeption sehr genau auf die landeskirchlichen Schritte achten. Hier wird gerade in einer Grundsatzdiskussion und theologisch sehr differenziert an einer neuen Herangehensweise zur Bewertung kirchlicher Arbeit an zentralen Stellen eines Gemeinwesens gearbeitet. Ob sich da die die den 80 / 90er Jahren geprägte Begrifflichkeit „Stadt- bzw. Citykirche“ halten wird, bleibt abzuwarten.

Vertagt und heute neu zum Aufruf kommt die Arbeit an einer Priorisierung der kreiskirchlichen Arbeit. Der KKR ist in seinem Antrag an die Synode noch einen etwas anderen strukturellen Schritt gegangen als die ursprüngliche Antragsstellung und befürwortet eine enge Verzahnung zum Kreiskirchenrat. Diesen Schritt begrüße ich sehr, denn die konzeptionelle Arbeit kommt aus meiner Sicht auch deshalb nicht so recht voran, weil die Rahmensetzung noch nicht ausgereift ist.

 

2.   Wahrnehmungen der „Neuen“ – liebevoller Blick

Besuche, Besuche, Besuche …:

Zum Kennenlernen reise ich durch den Kirchenkreis und besuche die Gemeinden und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Bis zum Frühjahr wird das ein Schwerpunkt sein. Danach schließt sich der Besuch der diakonischen Einrichtungen an.

Zum anderen gibt es viele Antrittsbesuche:

Beim Oberbürgermeister, bei Institutionen vor Ort, aber auch der landeskirchlich Verantwortlichen im Konsistorium im Bereich Klinikseelsorge, Telefonseelsorge, Militärseelsorge, Öffentlichkeitsarbeit

Herausragende kirchenmusikalische Veranstaltungen habe ich erlebt. Mit den großen Werken ebenso wie mit kleineren besonderen Formaten locken sie viele Menschen in unsere Kirchen. Hier haben wir einen großen Schatz von beruflich und ehrenamtlich Mitarbeitenden, die allesamt eine großartige Arbeit machen!

Das Interreligiöses Gebet habe ich kennengelernt, die Zukunftsschmiede im Bisamkiez, und bei der Verleihung des Integrationspreises der Stadt Potsdam ging eine Auszeichnung an den Verein Stadtteilladen für das Projekt „Sprachcafe“ Kirchsteigfeld -  HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

 

ToDo:

Bereinigung Fonds:

Das KVA ist zusammen mit dem KKR dabei, die Situation der Fonds in den Blick zu nehmen. Dabei ist aufgefallen, dass die z.B. im neuen Projektfonds aufgeführten Mittel zu einem Großteil von Beschlusslagen blockiert werden, die bereits viele Jahre zurück liegen. Die damals beantragten Mittel wurden nie abgerufen. Und selbst die zu vergebenden Restmittel wurden trotz schriftlicher Ermutigung mit einer Ausnahme nicht zur Verwendung beantragt. Da es aber 1. keine Befristung der Beschlüsse gibt, 2. kein Verfahren zum Umgang mit nicht abgerufenen Mitteln vorgesehen ist und schließlich 3. die alten Beschlusslagen einigermaßen – sagen wir - undurchschaubar sind, schlage ich vor, ähnlich der Regelung für Bausondermittel zu verfahren. Konkret: alle Beschlüsse, die älter als ein Jahr sind, sollten von der Synode aufgehoben werden. Ferner sollte die Synode beschließen, dass künftig Mittel, die im Antragshaushaltsjahr nicht abgerufen sind, verfallen - es sei denn, es wurde eine begründete Mittelübertragung ins Folgejahr beantragt.

Im Zusammenhang mit Anträgen sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass im Sinne von verlässlicher Planung aus meiner Sicht folgendes anzustreben ist:

-      Jahresplanung – wie sie in vielen Gemeinden schon geschieht –

-      Einheitliche Jahresplanung der Tagungstermine in synodalen Arbeitsgruppen und Ausschüssen

-      Antragsfristen, nach denen sich Sitzungen der Gremien richten

Ein Probelauf soll im kommenden Jahr bereits greifen. Ich bitte alle Gremien, entsprechende Sitzungstermine schon jetzt in die Planungen aufzunehmen. In dem dazu verschickten Brief an die Arbeitsgruppen und Ausschüsse wurde außerdem darum gebeten, die Vergaberichtlinien zu prüfen und ggf. anzupassen, um sie auf der Frühjahrssynode beschließen zu lassen.

Das Synodenthema: „Diakonie“

Kirche und Diakonie -  für mich zwei Seiten der einen Medaille christlicher Aufgaben. Im Vorfeld der Synode konnte ich mir dank der Zuarbeit aus Gemeinden und diakonischen Trägern ein Bild machen:

Vom Norden bis zum Süden, von den kleinen bis zu den großen Gemeinden, von den Rändern bis zur Mitte ist die Arbeit vielfältig geprägt von Diakoniegottesdiensten, Glaubenskursen, Adventfeiern, Segnung von Kita-Mitarbeiterinnen und  -mitarbeitern, Kooperationen und Praktika im Rahmen der Konfirmandenarbeit, gemeinsame Projekte mit Seniorenzentren, enge Zusammenarbeit mit der Arbeit  mit geflüchteten Menschen sowie im Besuchsdienst, im Begegnungscafe und vieles mehr.

Kirche ist auch Heimat für unterschiedliche diakonische Initiativen.

Der ländliche Bereich des Nordens unterstützt die Arbeit der Ehrenamtlichen finanziell.

Ein bunte Blumenwiese diakonischen Engagements, das darauf wartet, entdeckt zu werden. Einen Schritt dazu tun wir auf dieser Synode und -  wenn die Synode so beschließt -  mit der Einrichtung eines Ausschusses.

Zum großen Thema „Diakonie“ gehört auch die Arbeit mit geflüchteten Menschen. Aus Gesprächen und Besuchen weiß ich um die vielfältige gute Beratungsarbeit des Diakonischen Werkes und all die Unterstützung auf gemeindlicher Ebene sowie die vernetzende Arbeit mit den anderen gesellschaftlichen Initiativen der in diesem Bereich eingerichteten Pfarrstelle.

In der kurzen Zeit, die ich hier bin, scheint sich in diesem Bereich eine Beobachtung zu bestätigen, die ich schon im KK HBS gemacht habe.

Zum einen scheint in der Bearbeitungspraxis mit einer  Verzögerungs- und Hinhaltetaktik gearbeitet zu werden, die kaum mehr nachzuvollziehen ist.

Ein Beispiel dazu:

Herr B hat seit April 2017 eine Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft, die ihn berechtigt, seine Familie nach Deutschland zu holen.

Die deutsche Botschaft in Teheran hat daraufhin 8 Monate später -  also im Dezember 2017 -  für seine Frau einen Termin zur Beantragung der nötigen Visa gemacht. Der Antrag wurde gestellt, entgegengenommen und an die zuständige Ausländerbehörde weiter geleitet.

Leider gab es bis Oktober 2018 keinerlei Nachricht -  auch nicht zum Stand der Visaverfahren.

Eine Einladung in die Ausländerbehörde am 5.11. an Herrn B. diente nicht wie erwartet und erhofft zur Information über das Verfahren, sondern stellte sich als verkappte Überprüfung des Flüchtlingsstatus heraus.

Seit April 2017 sind nun insgesamt 19 Monate vergangen, in denen es nicht möglich war, eine Klärung herbei zu führen.

Ich halte das angesichts der Aussichtslosigkeit und Hilflosigkeit, der die Menschen ausgesetzt werden, für eine humanitäre Katastrophe.

Zum zweiten scheint das gesamte Verfahren  intransparent und dermaßen undurchschaubar, dass die Einschaltung eines Rechtsbeistandes in fast allen Fällen unabdingbar ist.

Schließlich zum dritten sollten Kirche und Diakonie ihren Blick auch auf die in diesem Bereich arbeitenden Mitarbeitenden der Behörden richten, die teilweise extremen Belastungssituationen ausgesetzt sind -  wenn die rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden und enttäuschende Nachrichten mitgeteilt werden müssen.

Kurz: Wer kümmert sich da?

Unsere  diakonischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen im Arbeitsbereich insgesamt eine wirklich gute -  aber auch nervenaufreibende und emotional manchmal grenzwertige Schnittstellenarbeit. DANKE!

Ein Wort zum Kirchenasyl -  ich bin ausgesprochen dankbar all den Gemeinden, die sich hier entschieden haben, eine Wohnung zur Verfügung zu stellen -  trotz der möglichen Verlängerung auf 18 Monate, was eine immense Herausforderung an die begleitenden Personen darstellt.

In diesem Zusammenhang verhehle ich nicht, dass ich die Unterscheidung von Synagogen- und Kirchenasyl durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und die damit verbundene angedrohte Nichtanerkennung des von einer Kirchengemeinde für die jüdische Gemeinde vollzogenen Asyls für einen Skandal halte!

 

3.   Wohin gehen wir? – als Glaubende

Die Frage nach dem Weg unserer Kirche und ihrer Gestalt wird auf vielen Ebenen immer wieder diskutiert. Das ist gut

Weniger gut ist es, wenn zu schnell fast reflexartig - Antwortversuche gegeben werden:

1.   Manch einer wünscht sich „den starken kirchlichen Mann“, der sagt wo es lang geht und damit eine nach außen sichtbare „klare Linie“ vorgibt.

2.   Andere verordnen der Kirche eine Beschränkung auf das sogenannte „Religiöse“ bzw. den „Glauben“.

3.   Wieder andere meinen, aus einer Grundsatzhaltung des „Dagegensein“ könne Kirche sich verändern und stärken.

Nunja, eine Einigkeit, die durch Macht und institutionalisierte Autorität „verordnet“ wird, hat noch nie zu einer nachhaltigen kirchlichen Verwurzelung geführt. Die wird eher durch Identifikation von Menschen mit dem kommunizierten Inhalt sowie der Stimmigkeit von Wort und Handeln erreicht.

Zum zweiten: Abgesehen davon, dass es „DAS“ Religiöse und „DEN“ Glauben m.E. nicht gibt, würde damit auch unser evangeliumsgemäßer Auftrag ausgehöhlt. Denn wir sind nun mal in die Welt gesandt. Und sollen ein selbstbewusstes und klares Wort mitreden bei allen gesellschaftlichen Entwicklungen.

Und „Dagegensein als Grundhaltung“ macht auf Dauer aus meiner Sicht nicht stark, sondern boykottiert jeden Ansatz kirchlichen Handelns durch permanentes Infragestellen.

Der Präsident der ekbo -  Dr. Antoine - hat in seinem Beitrag beim Gesamtephorenkonvent sinngemäß gesagt: „Einigkeit, Einheit“ -  und ich ergänze damit auch Wirkmächtigkeit -  „ist in der Evangelischen Kirche das „Ja“ zur Vielfalt -  selbst wenn auch hier ein „Nein“ zu hören ist, das die Vielfalt letztlich mit abbildet.“

Wenn die Einheit von Kirche in dem Ja zur Vielfalt besteht, dann bedeutet das auch ein „Ja“ zu Diskurs, zur Auseinandersetzung und auch zum Streit.

Ausgetragen auf dem Boden des Evangeliums wirkt das. Denn Auseinandersetzung in der Nachfolge Jesu bedeutet in demjenigen, mit dem ich diskutiere, zugleich den von Gott geliebten Menschen zu sehen, ihn als solchen Wert zu schätzen in seiner Persönlichkeit und seinem Gewordensein. Es bedeutet respektvollen und sensiblen Umgang, es bedeutet ein Verstehenwollen des anderen.

Verbales Draufhauen, Ablenken durch Beschuldigen und ähnliche Strategien gehören nicht dazu.

Was aber gehört dazu?

Kirchliche Relevanz -  das ist meine Überzeugung -  ereignet sich dort, wo Kirche glaubwürdig mit den Themen umgeht, die sie selbst setzt bzw. die ihr vom Evangelium gesetzt sind.

In diesen Tagen erinnern und gedenken wir in sehr unterschiedlicher Weise.

Wir erinnern uns an den verheerenden Krieg vor 100 Jahren. Kirche hat da mitgespielt. In einer ekd Stellungnahme heißt es: „Die Menschen hörten dort keine Friedensappelle, sondern Aufrufe, den Krieg zu unterstützen, auch mit dem Opfer des eigenen Lebens – für Gott und Vaterland. "Vaterlandsliebe, Kriegslust und christlicher Glaube" seien in ein hoffnungsloses Durcheinander geraten, wunderte sich 1914 der Theologe Karl Barth.“ Und die Gemeindeglieder ließen sich davon anstecken. Ein sogenannten „Kriegsvaterunser“ wurde verfasst -  eine beschämende Kostprobe: In barmherziger Langmut vergib jede Kugel und jeden Hieb, die wir vorbei gesendet“

Nie wieder! Und doch ja, und doch, es passierte wieder, anders -  auf Kosten von jüdischen Menschen. Auch im zweiten Weltkrieg kam es zu Kriegsgefolgschaft in der Kirche, zu Verfolgung, Stigmatisierung, Rassismus und Beitrag zum unsäglichen Morden.

Ein kleiner Teil stemmt sich dagegen – gut, dass es ihn gab, gut, dass einzelne dran gingen und anders Glaubenden beiseite standen, oft um selbst getötet zu werden.

1945 entstand aus diesen Erfahrungen das „Stuttgarter Schuldbekenntnis“ - damals richtig und wichtig. Zumal die Bitte der Bekenntnissynode von Barmen neun Jahre vorher leider weitgehend wirkungslos verhallte. Die Synode appellierte mit ihrem Satz wie folgt: „Sie bittet alle, die es angeht, in die Einheit des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung zurückzukehren.“

Mit dieser Geschichte leben wir voll Erschrecken und Scham. Unsere Aufgabe ist es, diese Geschichte nicht nur zu erinnern, sondern die Strukturen und Bedingungen zu wissen, unter denen sie entstand. Und dann heute – in unserer Gegenwart - dran gehen und aufdecken, wo sich subkutan solche Möglichkeitsbedingungen wieder etablieren, wo rassistische Hetze und menschenverachtende Parolen wieder salonfähig werden.

Kirche muss sich einmischen und den Finger in die Wunde legen und selbstbewusst den Glauben an Christus in seiner Nachfolge in Wort und Tat leben. Ein Schritt dazu ist die im Gemeindezentrum Caputh zu sehende Ausstellung „Es geschah vor unserer Haustür“.

In den Zusammenhang von Schuld gehört ein Thema, das endlich -  ENDLICH (!) -  unter dem Mantel des Schweigens hervor ins Licht des öffentlichen Geredes gebracht wird -  auch und gerade weil es darum geht, Strukturen aus Machtbeziehungen, Ausnutzen von Schwäche und Abhängigkeiten geht. Es geht um die Aufarbeitung der Schuldgeschichte von Missbrauch und sexualisierter Gewalt.

Die Hamburger Bischöfin Fehrs brachte es pointiert auf den Punkt „Eine Kirche, die solcher Gewalt nicht wehrt, ist keine Kirche mehr.“

Ich bin froh, dass unsere Landeskirche sich dieses Themas annimmt, aber es gehört auch auf alle anderen Ebenen - die der Kirchenkreise, der Gemeinden, der Diakonie und aller anderen Einrichtungen! Wir können – und auch das ist unsagbar beschämend - niemals das Leid der Opfer ermessen geschweige denn rückgängig machen -  aber wir können wenigstens jetzt etwas tun: da sein – MA schulen -  der Kirchenkreis Potsdam hat da bereits gute Strukturen entwickelt, eine Ansprechperson benannt und ein Schulungssystem etabliert. Wir müssen dran bleiben, denn das gehört zum Thema „Umkehr – Buße“ dazu: aufdecken, helfen, hören, aufklären und ändern.

Wie Kirche wirklich Relevanz entfalten kann, haben die Ereignisse rund um 1989 gezeigt. Dazu gehörte: Kirche als Raum für Engagierte in Kiez und Stadt öffnen – Gebete und Gottesdienste, zu denen alle eingeladen wurden – Themen zu finden und zu diskutieren, die anderswo nicht laut werden durften – die damals dabei waren, könnten so viel dazu erzählen! Im kommenden Jahr wird es sicher in Gemeinden und Kirchenkreises viele Veranstaltungen geben. Zu Wort kommen aber sollten vor allem diejenigen, die selber aktiv waren - an welcher Stelle auch immer. Denn von ihnen können wir lernen, wie das geht: relevant und wirksam zu werden.

Ganz aktuell wurde mir dazu ein Buch in die Hände gelegt. Vielleicht kennt es der ein oder die andere. Rainer Eckert hat es geschrieben: Revolution in Potsdam. Eine Stadt zwischen Lethargie, Revolte und Freiheit. 2017 erschienen.

All das gibt mir Hoffnung und macht mir Mut, was die Zukunft unserer Kirche betrifft. Gott -  unser Hirte in Christus schenkt uns den Blick seiner Liebe auf unsere Welt. Jeden Tag dürfen wir ihn neu einüben.

Zuletzt: DANKE

Den Mitarbeiterinnen in der Superintendentur für die selbstverständliche Bereitschaft mit der Neuen zu arbeiten und mit Humor und viel Engagement fast alle Wünsche zu berücksichtigen.

Vielen Dank der kleinen Runde, die zusätzlich Zeit investiert, um die Spezialitäten von Kirchenkreis und  Landeskirche geduldig zu erklären.

Dank auch dem Konvent für die herzliche Aufnahme!

Vor allem aber Dank allen ehrenamtlich und beruflich Mitarbeitenden für die viele Zeit in Arbeitsgruppen und Ausschüssen, den Gemeindekirchenräten und den ganz praktischen Aufgaben in allen Arbeitsgebieten.

Herzlichen Dank für alle Arbeit im Kreiskirchlichen Verwaltungsamt, die sich bedingt durch die Unterschiedlichkeit der Vorgänge immer in einer Mischung aus Dienstleistung, Abarbeitung und Kreativität bewegt!

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe – diese drei, aber die Liebe ist die größte unter Ihnen.“

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!