16.11.2019 Sa

Kreissynode Potsdam Neuigkeit

Fahrplan für Krampnitz, Bekenntnis gegen Antisemitismus, Stellenplan und Haushalt, Antrag an die Landessynode, Prioritätendiskussion

Haushalt

Das Schwerpunktthema auf der Herbstsynode des ev. Kirchenkreises Potsdam war der Haushalt 2020/21.

Dieser Haushalt umfasst Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 4.166.969,00 €

Die 58 Synodalen verabschiedeten zudem eine neue Finanzsatzung. Diese nimmt erstmals in den Blick, eigene nachhaltige Einnahmen zu generieren.

Mögliche kirchliche Arbeit im zukünftigen Potsdamer Stadtteil Krampnitz

Es gibt eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit dem Kirchenkreis Falkensee, um alle Möglichkeiten kirchlicher Arbeit in diesem neu entstehenden Potsdamer Stadtteil gemeinsam auszuloten. Dass Kirche von Anfang an in Krampnitz präsent ist, ist Ziel dieser Arbeitsgruppe.

Appell an die Landeshauptstadt Potsdam

Der Beratungsfachdienst für MigrantInnen des Diakonischen Werkes Potsdam e.V. droht zwei Mitarbeiter*innenstellen zu verlieren. Und dies, obwohl die Fachexpertise von hoher Qualität ist und auch von der Stadt Potsdam sehr geschätzt wird.

Daher appelliert die Kreissynode Potsdam an die Landeshauptstadt Potsdam, die Arbeit des Beratungsfachdienstes weiter zu fördern und die Finanzierung sicherzustellen.

Britta Hüttner, Präses

 

Bericht von Superintendentin Angelika Zädow

Herbstsynode 2019

Es gilt das gesprochene Wort

Verehrtes Präsidium, Hohe Synode, liebe Schwestern und Brüder,

meinem Bericht stelle ich einen Satz aus dem Brief an die Epheser, Kapitel 4, Vers 15 voran: „Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem, der das Haupt ist: Christus.“

1. Gesellschaftliches Engagement:

Wir leben in einer Zeit, in der wir als Kirche aufgerufen sind, deutlich, klar und selbstbewusst unsere christliche Haltung zu sagen und zu zeigen: wenn Menschen beleidigt, ausgegrenzt, wegen ihrer Herkunft, Religion, ihres Geschlechts diskriminiert, beschimpft und abgestempelt werden.

Wie nötig das ist, hat zuletzt der antisemitische Anschlag in Halle verdeutlicht, bei dem Menschen durch einen Täter starben, der aufgrund einer antijüdischen Radikalisierung zunächst die Synagoge angriff. Dem es aber offenbar danach ziemlich egal war, wen er trifft, Hauptsache er trifft. Jana und Kevin waren die Opfer.

Es gibt Menschen, die wollen nicht wahrhaftig und liebevoll mitanderen umgehen, im Gegenteil: sie wollen beleidigen. Es gibt Menschen, die wollen, dass sich andere schlecht fühlen. Auch hier in Potsdam:

Wer zu Beginn eines großen internationalen jüdischen Musikfestivals zum  Singen „Deutscher Weihnachtslieder“ vor dem Veranstaltungsort einlädt, handelt aus meiner Sicht antisemitisch. Wer quer durch die Parlamente Personen anderer Herkunftsländer konsequenzlos mit Schimpfworten belegt, die ich hier nicht wiederholen möchte, spricht ausländerfeindlich.

Und wenn der Vorsitzender des Bundesrechtsausschusses anderen unterstellt, von einem Familienbild auszugehen, zu dem statt Kindern Tiere gehören, um dann sein Bild dagegen zu setzen, spricht er mit manipulativen Unterstellungen einerseits und mit diskriminierenden Perversionen andererseits.

Unsere Tageslosung für heute sagt passend dazu: „Wo viel Worte sind, da geht's ohne Sünde nicht ab; wer aber seine Lippen im Zaum hält, ist klug.“ Sprüche 10,19

Die Sünde haben wir aufzudecken und unser Reden auf Wahrhaftigkeit und auch Genauigkeit hin zu prüfen.

Dabei können folgende Punkte gar nicht laut und oft genug in Wort und Tat klar gemacht werden:

Als Christinnen und Christen stehen wir unverbrüchlich an der Seite unserer jüdischen Geschwister.

Die Vielfalt von religiösen, bürgerlichen und kulturellen Traditionen verstehen wir als Reichtum für die Menschen.

Wir treten für das friedliche Miteinander aller Menschen, Religionen und Weltanschauungen, für Demokratie, Freiheit und Respekt gegenüber allen Lebensformen ein.

Die Geschichte lehrt uns: Nur Dialog und gegenseitiges Kennenlernen führen zu einem dauerhaften Frieden.

Aus dieser Geschichte haben wir die Verantwortung, uns gegen jede Form von Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus und Stigmatisierung zu wenden und uns für eine gewaltfreie Gesellschaft einzusetzen.

Klima

Potsdam for future -  Sowohl die AG „Umwelt“ als auch der Kreiskirchenrat engagieren sich im Bündnis „potsdam for future“ und unterstützen diejenigen, die sich engagiert, sachlich und effektiv für einen nachhaltigen Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen einsetzen.

Der Kreiskirchenrat ermutigt die Gemeinden, auch in ihren Bereichen zu überlegen, an welchen Punkten Umwelt schonendes und damit Schöpfung bewahrenden Handeln weiter getrieben werden kann. Das werden sicher sehr unterschiedliche Dinge sein:

In Sachen Fortbewegung sind wir in Potsdam als kleine überschaubare Einheit mit einem gut ausgebauten Netz öffentlicher Verkehrsmittel wirklich gut aufgestellt, was die persönliche Fortbewegung angeht. Da sieht es in Flächenkirchenkreisen auf dem Land völlig anders aus.

Dafür müssten bei uns aus meiner Sicht die Gebäude noch einmal bzgl der Dämmungsmöglichkeiten, der Heizungsquellen und der verwendeten Leuchtmittel kritisch angeschaut werden.

Ebenso gilt es das Thema „Beschaffungen“ zu beleuchten. Wo können sich Gemeinden in Sachen Beschaffung von Büromaterial, Getränke u.a. zusammentun?

 
2. Kirchenkreisleben:

Da sind in diesem Jahr besonders die vielen Aktionen und Veranstaltungen zum Jubiläum der friedlichen Revolution zu nennen: auf Gemeinde- und Kirchenkreisebene.

Da ging es ums Erinnern: an DEN Tag, aber auch an die Vorgeschichte und an das, was danach kam. Was für einschneidende Opfer gebracht wurden durch Verhaftungen, Repressalien und Bespitzelungen und wie viele Träume sich später nicht erfüllten.

Trotz allem sprachen diejenigen, die hier und anderswo am 4.11. und 9.11.1989 dabei waren, davon, wie wichtig es war, ab einem bestimmten Zeitpunkt die Angst zu überwinden. Und wie das möglich war in einer Gemeinschaft der Gleichgesinnten.

Unsere Kirche kann stolz darauf sein, dass hier so viele Christen die Türen öffneten und Raum gaben für die Initiativen, die schließlich die Mauer zu Fall brachte.

Wie wichtig darüber hinaus eine Reflexion dieser Geschichte ist, zeigt eine Frage, die im Flüchtlingscafe Babelsberg im Anschluss an den Bericht über die ereignisse 1989 gestellt wurde: „Was ratet ihr uns für unser Land?“

Bei aller Vorsicht, die bei der Antwort geboten ist, weil die Rahmenbedingungen in anderen Ländern sicher ganz anders sind, bei aller Vorsicht also steht aber doch die Frage: Was waren die Möglichkeitsbedingungen damals? Gibt es etwas wie einen roten Faden eigenen Handelns und Redens, der anderen eine Hilfe sein kann?

Kirchenmusik und Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Dass die herausragende Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie in der Kirchenmusik ein großartiger Schatz in unserem Kirchenkreis ist, brauche ich kaum mehr zu betonen.  Das ist eine besondere Verkündigung unserer frohen Botschaft! Allen, die diese Arbeit verantworten, ein ganz herzliches Dankeschön! Im nächsten Bericht werde ich dazu ausführlich Stellung nehmen.

Geflüchtete und Migration

Viele ehrenamtlich Engagierte. Gerade weil das so ist, braucht es da hauptamtliche Unterstützung,

Der Migrationsfachdienst leistet hier eine unglaublich gute, engagierte Arbeit. Umso bedauerlicher ist es, dass einerseits die Qualität immer wieder auch öffentlich gelobt und als Vorbild für ganz Brandenburg apostrophiert wird, gleichzeitig dieses Lob aber keinen Niederschlag in der berechtigten Forderung nach einer finanziell dauerhaft auskömmlichen Unterstützung findet.

Zu den wirklich vielfältigen Aktivitäten in diesem Bereich verweise ich auf den eindrücklichen Bericht von Pfarrer Fricke und der AG Migration.

Auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft braucht es aus meiner Sicht

gerade die Arbeit in unserer kirchlichen Kernkompetenz: Seelsorge, Beratung und Begleitung, interreligiöse Gespräche und gemeinsame Projekte werden in dieser Zeit immer wichtiger.

Kirche im Kiez

Hier stehen wir aktuell vor der Herausforderung, das Projekt in eine nächste Phase zu bringen. War es zunächst - nach der großen Verunsicherung vor 4 Jahren – notwendig, eine gute Basis herzustellen -  muss nun entschieden werden, in welche Richtung das Projekt nun gehen soll.

In der Region hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet, in die der KKR die Superintendentin zur Mitarbeit entsandt hat.

In diesem Zusammenhang weise ich auf die innerkirchliche Diskussion hin, die sich zum einen - ausgehend von der Freiburger Studie - damit befasst, wie die Zielgruppe der 18-35 jährigen besser erreicht werden kann und zum anderen mit der Veränderung -  Transformation - der Gestalt von Kirche.

Aus meiner Sicht wird es darauf ankommen, welche Haltung wir zu dieser unweigerlich kommenden Veränderung einnehmen.

Die Gesamtephorentagung hat sich damit ausgehend von der Frage „Wozu Kirche“ befasst.

Die beiden dazu eingeladenen Referenten waren sich einig, dass in einer Gesellschaft der „Singularitäten“, in der eine Aufwertung des einzigartigen, besonderen, außergewöhnlichen stattfindet, die alte allgemeine Selbstverständlichkeit von Kirche mehr und mehr verschwindet.

Beteiligung und Mitgliedschaft werden als punktuelle Möglichkeit gesehen.

Dies ist auch bei unserem Projekt Kirche im Kiez so. Neben einer kleinen stabilen Beteiligungsgruppe gibt es diejenigen, die an einzelnen Angeboten partizipieren oder mit gestalten, aber nicht verlässlich immer wieder zu anderen Angeboten kommen.

Jörg Zink hat schon vor vielen Jahren auf diese Entwicklung hingewiesen und davon gesprochen, dass Kirche wie ein „Wirtshaus am Weg“ sein müsste.

Für die Arbeitsgruppe hat in ihrer ersten Runde dieses Bild in aller Vorläufigkeit aufgenommen und erste Projektideen entwickelt.

Hier ist eine Gestalt von Kirche entstanden, die ganz anders ist als diejenige einer Parochie.

Wir werden als Kirche die Ungleichzeitigkeit unserer Gestaltungsformen nicht aushalten, sondern gerade befördern -  davon bin ich überzeugt.

Es könnte zu einer großen Gelassenheit und auch Freiheit führen. Weil nicht alle alles machen müssen.

Kirchenkreissonntage

Immer wieder wurden sogenannte „Kirchenkreissonntage“ angeregt. In diesem Jahr haben wir in einer wirklich guten Kooperation mit dem Oberlinhaus auf deren Gelände einen Freiluftgottesdienst gefeiert. Darüber hinaus hatten verschiedene Einrichtungen die Möglichkeit, ihr Angebot zum Thema vorzustellen.

Mit rund 120 Menschen war dieser Gottesdienst aus meiner Sicht eher schwach besucht. Das hat sicher viele Gründe. Hier wiederhole ich das, was ich schon im KKR und im Pfarrkonvent gesagt habe: Kirchenkreisweite Sonntage mit diesem Vorbereitungsumfang haben aus meiner Sicht nur dann eine Chance, wenn eine Mindestanzahl von Gemeinden sich gemeinsam auf den Weg zum Ort des Sonntags macht. Sei es als Gemeindeausflug oder Fahrradtour beworben, sei es um sich aktiv zu beteiligen. Ein zu den zahlreich stattfindenden Gottesdiensten zusätzliches Angebot, was dann in der Teilnahme derer, die „müssen“ endet und damit zu einer Art „Winkelmesse“ gerät, finde ich weder, den Themen, noch den Vorbereitenden noch dem KK Potsdam angemessen.

Ich bin dankbar, dass sich der Pfarrkonvent des Themas annehmen und Vorschläge in den KKR einspeisen wird.

GKR Wahlen: Hier hatte die Superintendentur um eine Mitteilung über die Höhe der Wahlbeteiligung gebeten. Leider haben sich nur 8 Gemeinden zurück gemeldet. Bei diesen acht Gemeinden liegt die Wahlbeteiligung im bisherigen Rahmen mit leichten Abweichungen. Bei 4 Gemeinden lag die Wahlbeteiligung über 20 %, 4 Gemeinden über 10 %.

Leider konnte die Suptur bei der geringen Rückmeldung nichts für den gesamten Kirchenkreis in die Presse geben. Das finde ich sehr schade.

Insgesamt ist die Wahlbeteiligung aus meiner Sicht ausbaufähig. Es gibt in anderen Landeskirchen erprobte Möglichkeiten, um eine höhere Beteiligung zu erreichen. Zugleich würde es den enormen Aufwand für die Gemeinden deutlich reduzieren.

 
3. Und sonst noch:

Garnisonkirche

Der Kreiskirchenrat hat sich in der Novembersitzung dieses Jahres damit beschäftigen. Darüber hinaus hat die Superintendentin nach Rücksprache mit Vorstand, Fördergesellschaft und Kuratorium eine Zukunftswerkstatt vorgeschlagen, die mit unserem neuen Bischof diskutiert werden soll.

EKD Schiff:

Zusammen mit dem evangelischen Entwicklungsdienst, Brot für die Welt und der Diakonie Katastrophenhilfe wird die EKD der Organisation Seawatch ein Schiff für die Rettung von Menschen zur Verfügung gestellt.

Finanziert wird das Ganze über einen Spenden sammelnden Verein. Kein Kirchenmitglied muss entgegen der in den sozialen Medien verbreiteten Nachrichten um einen ungewollten eigenen Kirchensteueranteil bei der Organisation fürchten.

Richtlinien:

Dankbar bin ich denen, die sich auf den Weg gemacht haben, sich Richtlinien zu geben und damit Entscheidungen nachvollziehbar machen. Sobald alle Arbeitsgruppen und Ausschüsse soweit sind und die Synode über die Vorlagen entschieden hat, werden sie mit den entsprechenden Formularen auf die HP gestellt.

Auch der Kreiskirchenrat hat sich eine Geschäftsordnung gegeben, die von einer kleinen Arbeitsgruppe unter Federführung von Dr. Schulz erarbeitet wurde. Auch diese wird dann für alle sichtbar auf der homepage einzusehen sein.

Zuletzt:

Danke für alles ehrenamtliche Engagement in unserem Kirchenkreis. Dank an alle beruflich Mitarbeitenden im Pfarramt, der Gemeindepädagogik und der Kirchenmusik.

Dank an das kirchliche Verwaltungsamt, das oft mit Minimalbesetzung arbeiten musste.

Dank den Mitarbeiterinnen in der Suptur für das umsichtige Navigieren sämtlicher Vorgänge, Termine, Sitzungen und Besuchern.

Ich danke ganz herzliche unseren Synodalausschüssen und dem Kreiskirchenrat für die gute und mitunter sehr zeitintensive Arbeit in den regulären und den besonderen Sitzungen.