30.05.2020 Sa

Gruß zu Pfingsten Neuigkeit

Pfingstwort der Potsdamer Superintendentin Angelika Zädow

Während der „Coronazeit“ sind mir die Schilder „to go“ – „zum Mitnehmen“ -  besonders ins Auge gefallen. Vielleicht weil sie das erste Zeichen für einen Schritt ins Gewohnte hinein waren. Und auch weil sie ein Stück Freiheit mitbrachten - nicht nur für die Betreiber von Cafes, Gaststätten und Eisdielen, sondern auch für mich: mit einem Eis in der Hand durch den Park schlendern -  wunderbar!

Am Pfingstfest bekommen wir auch etwas „to go“. Also zum Mitnehmen. Ein Geschenk ins Herz, in den Verstand, in die Hand. Einfach so. Gott gießt seinen Geist verschwenderisch über die Menschenkinder aus.

Als Zeichen dafür wie der Geist Gottes wirkt, werden in der Apostelgeschichte kleine Feuerflammen genannt. Ich verbinde damit Begeisterung, Leidenschaft, Tatkraft, die Sache Jesu umzusetzen. Nicht nur im sonntäglichen Gottesdienst am Sonntagvormittag. Sondern to go. In meinem Leben. In meiner Arbeit. In meinem Umfeld.

In der Apostelgeschichte (Kapitel 1 und 2) wird erzählt wie schwer das ist. Schon der Verheißung des Geistes vor der Himmelfahrt trauen die Jünger nicht recht. Ratlos schauen sie der Wolke nach, in die Jesus aufgenommen wurde.

„Was steht ihr da und seht zum Himmel?“ werden sie gefragt. Eine rhetorische Frage, klar. Denn Jesu Geist ist nicht weit weg -  mindestens im Himmel, sondern in ihrer Gegenwart.

Was das konkret bedeutet, wird in der Apostelgeschichte erzählt. Die Feuerflammen, die mit einem Brausen des Windes einhergehen, befähigen Menschen unterschiedlichster Herkunft in der Sprache der Geistkraft Gottes zu reden und zu verstehen.

Für mich geht es hier um mehr als um das Verstehen mit Worten. Hier geht es um den Einklang im Glauben, um den gemeinsamen Willen zur Umsetzung dessen, was uns in der Nachfolge Jesu aufgegeben ist:

die Liebe zur Wahrheit;

den Mut zur Unvollkommenheit;

das Wagnis, völlig Neues auszuprobieren;

die Kraft zum Verzeihen;

die Offenheit, andere in der Tiefe zu verstehen;

die Selbstverständlichkeit von Respekt anderen Kulturen, Religionen und Lebensweisen gegenüber.

Vor allem aber geht es um ein einzigartiges Vertrauen, das Gott in jeden Menschen setzt: Du bist gefragt! Du bist gefordert. Du musst nicht ratlos woanders hinschauen. Mit Gottes Geist hast du eine Kraftquelle, aus der du schöpfen kannst Tag um Tag.

Am Ende der Pfingstgeschichte fragen sich alle: „Was wird das werden?“ Andere spotten: So etwas können nur Betrunkene sagen. Vielleicht, weil viele die Wirkkraft des Geistes meinen nur an großen, herausragenden, heldenhaften Dingen ablesen zu können.

Die wahre Kraft zur Veränderung aber geschieht ja dann, wenn der Gleichklang menschlichen Verstandes und Herzens zu Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung im Alltag führt. Manchmal ist das als Riesenschritt in der Geschichte ablesbar. Manchmal bleibt es so klein wie ein Samenkorn. Aber immer ist es ein Baustein auf das Reich Gottes hin.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Pfingstfest -  mit viel heiliger Geistkraft „to go“.

 

Herzliche Grüße

Angelika Zädow, Superintendentin