30.10.2020 Fr

Gruß zum Wochenende von Superintendentin Angelika Zädow Neuigkeit

vom 30.10.2020

Einschränkungen

Sorgen

Ängste

frühes Dunkel

Unsicherheit

Frust und Nerv

Novembergrau und –kühle kündigen sich an

 

So manch einem wird mulmig zumute.

Die Seele rollt sich ein.

Tränen fließen schneller.

Genervte Reaktionen schleichen sich ein.

 

Es ist, als ob der Horizont des Lebens plötzlich seltsam nahe rückt.

 

In diese Stimmung der Enge und Beklemmung fällt mir dieses Wort von Martin Luther beim Stöbern ins Auge: „...wie die Not unser enger Raum ist, der uns betrübt und klemmt, so ist die Hilfe Gottes unser weiter Raum, der uns frei und fröhlich macht.“ Er schreibt es als Anmerkung zu Psalm 118,5 in seiner Auslegung der Psalmen.

 

Fragt sich natürlich wie und wo sich denn dieser „freie Raum“ gegen die Angstenge finden lässt.

Ich merke, dass es wirklich jeden Tag diese kleinen kurzen Zeiten gibt, die mich den freien Raum Gottes sehen, spüren und hören lassen - einen Moment, der das Herz öffnet und die Gedanken woanders hinlenkt.

 

Das ansteckende Lachen aus der Nachbarwohnung;

die Spiegelungen im Wasser der Havel,

die Lust des Kollegen an einem Format „Weihnachten anders“ herum zu denken,

die Orgelklänge im Gottesdienst,

das Bibelwort, das sich mir ganz neu erschließt,

das Video aus der alten Heimat – schon mit schrägen Karnevalstönen …

 

All das ist wie ein Fenster, das sich aus meiner menschlichen Enge in die Gottesweite öffnet.

Manchmal riskiere ich nur einen Blick.

Manchmal öffne ich das Fenster weit und spüre den Geistwind in mir und um mich herum.

Manchmal klettere ich aus dem Fenster hinaus und werde eins mit der Weite, die mich umgibt.

 

Ein moderner Liedtext kommt mir in den Sinn, der den Gedanken der Weite so aufnimmt:

 

„Kommt und singt ein Lied der Freude, ihr habt Grund zur Dankbarkeit.

Gottes Weg führt in die Weite aus der Hoffnungslosigkeit.

Ohne Gott heilt ihr vergebens, was euch Leib und Seele kränkt.

Kommt mit uns zum Quell des Lebens, der für immer Heilung schenkt.

 

Freiheit hat uns Gott gegeben, füreinander da zu sein.

Alle, die der Sorge leben, will zur Freude er befreien.

Keinen hat er abgeschrieben, denn Christus macht uns frei:

Macht uns frei, die Welt zu lieben, dass in ihr die Freiheit sei.“

 

 

Ein gesegnetes Wochenende und herzliche Grüße

Angelika Zädow