Jesus spricht: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! (Johannes 7, 37)
24.02.2014 Mo

Den “schlafenden Mitarbeiterriesen Evangelische Kirche wecken“ Neuigkeit

Rede des Superintendenten auf der Frühjahrssynode des Kirchenkreises Potsdam am 21. und 22. Februar 2014 in der Evangelischen Heilig-Geist-Kirchengemeinde Werder (Havel)

Hohe Synode, sehr verehrte Frau Generalsuperintendentin, liebe Schwester Asmus, liebe Schwestern und Brüder, meinen Bericht haben Sie vorab schriftlich bekommen. Hier finden sie alle Details. Nachher stehe ich gerne für Fragen dazu zur Verfügung. Ich möchte mich nun auf drei Überzeugungen konzentrieren, die mich in meinem Dienst als Superintendent bestimmen:

  1. Leiten heißt zuerst und vor allem: Die Stärken in unserem Kirchenkreis, bei den Menschen, Gemeinden und Werken entdecken und zur Entfaltung bringen;
  2. Ich möchte den „schlafenden Mitarbeiterriesen ‚Evangelische Kirche‘ wecken“;
  3. Ich will nicht aufhören, für Sachlichkeit und Barmherzigkeit im Umgang miteinander einzutreten.

Erstens: Stärken entdecken, Stärken nutzen.

Das menschliche Gehirn und vor allem unsere Wahrnehmung scheinen auf eigentümliche Weise negativ oder destruktiv zu arbeiten. Was nicht funktioniert, das fällt uns auf – weil es nicht funktioniert und weil es daher Schwierigkeiten bereitet. Die Defizite brennen sich ins Bewusstsein, weil sie Problem schaffen, Maßnahmen erfordern, Mühe machen. Führen heißt aber: Stärken nutzen, und zwar – das ist wesentlich: vorhandene Stärken. Sie müssen zunächst einmal erkannt werden. Denn was leicht fällt, das fällt auch nicht auf; was gute Ergebnisse bringt, gilt als selbstverständlich. Man muss sich Zeit nehmen z. B. für Menschen, um zu erkennen: wo liegen ihre Stärken? Man muss sich für die Menschen, für die Gemeinden, für die Dienste interessieren, wenn man herausfinden will, was an Stärken vorhanden ist.

Führen heißt vorhandene Stärken nutzen und sie mit den Aufgaben zur Deckung bringen; Gabe und Aufgabe zusammenzuführen. Wenn ich im Bereich meiner Gaben arbeite, bin ich nicht nur motiviert, sondern auch hochwirksam. Kürzlich sagte mir jemand: „Wenn du liebst, was du tust, dann brauchst du nie mehr zu arbeiten.“ Mit einem Bild: Ein guter Trainer wird Hochspringer nie in den Laufbewerben einsetzen und Schwimmer nicht im Kugelstoßen. Sportler werden stärkenorientiert ausgewählt. Das heißt nicht Schwächen übersehen, blauäugig oder naiv zu sein. Wer im Internet bei Google Joachim Zehner eingibt, der sieht die Probleme, die mir bei der Leitung dieses Kirchenkreises aufgetragen waren, wo ich eingreifen musste. Aber: wenn wir Resultate erzielen wollen, wenn wir gute Ergebnisse erreichen möchten, dann sind es die Stärken, die uns zum Ziel tragen: Meine Aufgabe ist zuallererst und vor allem: Stärken entdecken, Stärken zur Entfaltung zur bringen. Denn die Stärken tragen uns zum Ziel.

Lasst uns das in unserem Kirchenkreis tun! Letztlich ist es allein ein theologischer Grund bei den Stärken einzusetzen: Gott schenkt seiner Kirche Gaben, er schenkt jedem Menschen Gaben. Das ist der Grund, weswegen wir eine durch seinen Geist starke Kirche sind.

Zweitens: den „schlafenden Mitarbeiterriese“ Evangelische Kirche „wecken“.

Immer wieder wird es zitiert als Eigenheit der Evangelischen Kirche: „das Priestertum aller Gläubigen“. Jeder Christ von Gott in der Taufe mit Gaben beschenkt. „Gabenorientierter Gemeindeaufbau“ heißt, Menschen für Aufgaben in der Gemeinde gewinnen. Mir geht es darum, noch mehr Menschen zu gewinnen, für die Aufgaben in der Gemeinde. Dass sie ihre Gaben einbringen. Die schwache Wahlbeteiligung an den Gemeindekirchenratswahlen zeigt, dass wir noch ein „schlafender Mitarbeiterriese“ sind. Ich wünsche mir in diesem Zusammenhang auch mehr Initiativenfreundlichkeit. Das wir als Leitung der Kirche, in Gemeindekirchenräten, im Kreiskirchenrate offener sind für Initiativen von Gemeindegliedern, wenn sie dem kirchlichen Auftrag entsprechen. Wer etwas Neues auf den Weg bringen will, der soll es leicht haben in unserer Kirche!

„Gabenorientierter Gemeindeaufbau“: Heute danke ich denen, die ihre Gaben eingebracht haben in unserem Kirchenkreis. Wir verabschieden sie vor der Synode, dem höchsten Leitungsgremium unseres Kirchenkreises.

Aus dem Kreiskirchenrat scheiden aus: Dr. Claudia Busse-Engelhardt, Annette Fannrich, Stephan Naundorf, Bettina Bauer.

Aus der AG Bau unseres Kirchenkreises scheidet aus: Dirk Scheinemann

Aus dem Kreiskirchlichen Strukturausschuss scheiden aus. Barbara Buller, Holger Catenhusen, Dr. Konrad Elmer-Herzig, Ursula Friedrich, Bianca Morawietz, Gisela Müller, Rüdiger Postier und Thomas Schmidt. Georg Thimme bleibt Mitglied, aber er legt in der neuen Legislatur den Vorsitz nieder.

Sie haben im Kreiskirchenrat, im AG Bau unseres Kirchenkreises und im Strukturausschuss viele Jahre an der Leitung unseres Kirchenkreises mitgewirkt. Dafür möchte ich Ihnen herzlich danken. Nun ist die Zeit gekommen, Abschied von dieser Arbeit zu nehmen. Lasst uns beten und zum Gebet bitte ich Sie aufzustehen: Treuer Gott, du schenkst deiner Gemeinde viele Begabungen und weckst die Bereitschaft, dir und einander zu dienen wir danken dir, das du durch Dr. Claudia Busse-Engelhardt, Annette Fannrich, Stephan Naundorf, Bettina Bauer. Dirk Scheinemann, Georg Thimme, Barbara Buller, Holger Catenhusen, Dr. Konrad Elmer-Herzig, Ursula Friedrich, Bianca Morawietz, Gisela Müller, Rüdiger Pos¬tier und Thomas Schmidt unter uns gewirkt hast. Nun bitten wir dich: Segne sie auf ihrem Weg in die Zukunft. Bleibe bei ihnen im Abschied und geleite sie in neuen Anfängen. Das bitten wir durch Christus unseren Herrn in Zeit und Ewigkeit. Amen.

Gott segne euch den Blick zurück und eure Schritte nach vorn. Er bewahre euch die Erfahrungen an diesem Ort und begleite euch auf dem Weg, der vor euch liegt. So segne euch der barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Geht hin in Frieden Amen.

Drittens:

Mein Vater erzählte gern von dem Spruch, der in einem Salon im Wilden Westen zu lesen war: „Bitte nicht auf den Klavierspieler schießen, er tut sein Bestes.“ Ich übersetze das in die Sprache des Theologen: Lasst uns sachlich sein und barmherzig miteinander umgehen! Das heißt: Keine vorschnellen Bewertungen, keine abqualifizierende Urteile, nichts Negatives über Dritte, die nicht im Raum sind. Das heißt zuerst und vor allem:

  • Wenn mich etwas am anderen irritiert, dann mit ihm zuerst sprechen;
  • wenn ich Fehler sehe, dann ihn darauf hinweisen, in einer Zeit, in der er es annehmen kann;
  • wenn ich befremdet oder verletzt bin über das Verhalten eines anderen, dann: hingehen, mir dafür Zeit nehmen, mit dem Betreffenden selbst/mit der Betreffenden sprechen und mit niemand anderem.

Von Angesicht zu Angesicht, „face to face“. Lasst uns das zur Regel machen! Dass verstehe ich unter Sachlichkeit und Barmherzigkeit. Das sind die Regeln von Charles und John Wesley, die er im Jahre 1752 mit seinen Predigern in der Jungen Methodistischen Kirche vereinbarte. Ich habe Sie mitgebracht. Hier sind sie. Man kann sie hier auf der Synode lesen oder in der Superintendentur im Kaminzimmer.

Liebe Schwestern und Brüder, wir sind Volkskirche. Das heißt: es gibt bei uns ganz unterschiedliche Standpunkte, sehr unterschiedliche persönliche Überzeugungen, gar nicht zu reden von der Frömmigkeit, die uns prägt hat und die wir leben. Wir sind Volkskirche und das heißt Vielfalt. Vielfalt, die irritierend sein kann. Diese Vielfalt spiegelt sich in unserer Synode wider. In unseren Gremien sollte jeder ehrliche Überzeugung, jeder Standpunkt sein Recht haben. Pfarrerinnen und Pfarrer werden an der Universität ausgebildet, weil es zu ihrer Kompetenz gehören soll, mit einer Vielfalt von Standpunkten umzugehen, sie zu diskutieren und sie letztlich lösungsorientiert zusammenzubringen. Argument und Gegenargument. Dafür braucht es Sachlichkeit und Barmherzigkeit. Es sind viele Glieder an einem Leib. Jedes ist anders, aber alle brauchen einander.

Von Frankfurt an der Oder aus gesehen – ich war dort viele Jahre Pfarrer - liegt Potsdam im Westen. Darum ist es noch lange nicht der Wilde Westen. Aber ich bitte Sie trotzdem: Schießen Sie nicht auf den Klavierspieler!

In meinem schriftlichen Bericht, der sehr detailliert und ausführlich ist, finden Sie alle notwendigen Informationen über den Kirchenkreis. In meiner heutigen Rede habe ich mich auf das konzentriert, was mir in meinem Dienst als Superintendent besonders wichtig war und auch in Zukunft wichtig bleiben wird:

  • Stärken erkennen und nutzen,
  • Gaben und Aufgaben zur Deckung bringen und vor allem:
  • Sachlichkeit und Barmherzigkeit im Umgang miteinander.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und stehe für Fragen gerne zur Verfügung!

Dr. Joachim Zehner,
Superintendent des Kirchenkreises Potsdam