Die Frage nach Gott im Dialog der Religionen

„Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Johannesbrief 4,16).


Wie ist Gott? Was will Gott? Im Gespräch mit dem Islam werden diese Fragen für uns alle plötzlich wichtig. Sie sind nicht akademisch, sie sind drängender denn je. Ja, wie ist Gott? Ein Gespräch braucht Argumente. Woher wissen Christen es, dass Gott die Liebe ist? Sie nicht hat, nein: sie ist!

Wir wissen es, weil Jesus Gottes Sohn ist. Weil Gott in das Dunkel dieser Welt geht und es hell macht! Weil Gott Mensch wird, weil er in der Armut einer Krippe zur Welt kommt. Weil er zu denen geht, die am Rand stehen, weil er die Kranken aufsucht und sie heilt, weil, ja warum: weil es Jesus gibt. An Jesus Leben und Handeln sehe ich, wie Gott ist. Die alte Kirche sagte deshalb im Konzil von Nicaea schon im Jahre 325 nach Christus: Jesus ist „wesenseins mit dem Vater“, auf griechisch: homoousios to Patri. Das war der Anfang der Trinitätslehre. Sie hat im 20. Jahrhundert einen beispiellose Renaissance erlebt, weil sie nicht anderes sagt als: „Gott ist die Liebe.“

Sie wird von zentraler Bedeutung im Dialog mit den anderen Religionen: Ein Mensch, der Mensch Jesus ist Gottes Sohn. Wenn Sie die Bibel aufschlagen, dann sehen sie Belege dafür. „Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?“ wird Jesus gefragt (Markus 2, 6), als er heilt und Sünden vergibt. „Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam!“ (Markus 4, 41), fragen die Jünger nach der Sturmstillung auf dem See Genezareth. Jesus hat Teil an der Schöpfermacht Gottes. „Bist du denn Gottes Sohn?“ so fragen die Hohenpriester und Schriftgelehrten in Jesu Prozess. Und der Nazarener antwortet: „Ihr sagt es, ich bin es.“ (Lukas 22,70). Das war der Grund, ihn zum Tode zu verurteilen. Ja, durch Jesus sehen wir, wie Gott ist und in Jesu Auferstehung bekennen wir: „Die Liebe ist stärker als der Tod.“

Und ein Drittes: Im Heiligen Geist ist Gott heute unter uns. Er ruft Menschen zum Glauben, er tröstet sie in Ihrem Leid, er erfüllt sie mit neuer Kraft. Im Römerbrief heißt es: „die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ Mit der Taufe wohnt der Heilige Geist in unseren Herzen. Gott schafft diesen wunderbaren blauen Planeten aus Liebe, er erlöst die Welt von Tod und Sünde, Gott verwandelt unsere Trauer, unsere Resignation in die Liebe und die Hoffnung, die der Heilige Geist schenkt: Gott ist der Vater, Gott ist der Sohn, Gott ist der Heilige Geist. Drei Seinsweisen des einen Gottes. Keine höhere Mathematik: 1 = 3 oder 3 = 1. Nein! Gott ist die Liebe! Darum geht es. „Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

Superintendent Dr. Joachim Zehner