„Gott sei Dank für diese Krippe, für diesen Stall in unserem Leben“

Gedanken zum Advent 2017 von Stadtkirchenpfarrer Simon Kuntze

„Geboren zu werden braucht der Heiland nicht mehr. Er ist ein für allemal geboren. Aber einkehren möchte er bei uns.“ So predigte 1954 der Schweizer Theologe Karl Barth. Und recht hat er: wir warten in der Adventszeit nicht darauf, dass Jesus zum 2017. Mal auf die Welt kommt. Wir warten darauf, dass das Christkind bei uns seinen Ort findet.

Gar nicht so leicht, wenn wir so wuselig werden in der Adventszeit. Aber wir sollten uns deshalb nicht grämen. Uns nutzt die Weisheit nicht viel, dass das Weihnachtsfest doch ein Fest der Liebe ist, und der Advent die Zeit der besinnlichen Vorbereitung. Wir werden nicht ruhiger durch diese Weisheit. Und es scheint nicht so zu sein, dass unser Heiland darauf wartet, bis wir perfekt vorbereitet sind, ihn zu empfangen. Er hat Platz gefunden im Stall von Bethlehem. Ochs und Esel standen dabei und erkannten ihren Herrn. Die Hirten kamen dazu. Es war dreckig und stank und es war alles andere als besinnlich und ruhig. Warum sollte dann unsere Unruhe, oder unser Streit, den es auch zu Weihnachten und in der Vorbereitungszeit einmal geben mag, sie hindern, bei uns heimisch zu werden?

Den Christus brauchen wir da, wo er uns fehlt. Wir sind bereit für Weihnachten, weil es einen ungemachten Fleck gibt, an dem er Platz findet bei uns. Den haben wir wohl alle mehr oder weniger tief in uns drin:

„Da drunten sind wir Menschen, jeder in seiner Weise, nur eben bettelarm dran, nur eben verlorene Sünder, nur eben Sterbende, nur eben Leute, die nicht aus noch ein wissen. Und eben da kehrt Jesus ein, mehr noch: da ist er bei uns allen schon eingekehrt. Ja, Gott sei Dank, für diesen dunklen Ort, für diese Krippe, für diesen Stall auch in unserem Leben!“ (Aus: Karl Barth, Predigten 1954-1967)

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit, Ihr Stadtkirchenpfarrer Simon Kuntze