Lernen Sie beten. Stille Zeit.

Über alles wird geredet, alle Tabus fallen, intime Geständnisse, geheime Leidenschaften, erotische Praktiken – alles wird öffentlich gemacht, in Zeitschriftenartikeln, Talkshows und im Big-Brother-Haus. Aber ein Thema wird ausgespart: Religion und Frömmigkeit. Wann haben Sie das letzte Mal mit ihren Kindern über das Gebet gesprochen? Oder mit ihrer Frau, mit ihrem Arbeitskollegen, was ihnen hilft beim Beten? Hier einige Hinweise:

Wir leben in einer „lauten Zeit“. Gottes Stimme und die eigene, innere Stimme sind leise. Umso wichtiger ist es, sich eine Zeit im Alltag zu reservieren, um sie zu hören. In der Kirche nennen wir es „Stille Zeit“; das heißt: in sich hinein hören, Gottes Wort bedenken, im Glauben und in der Liebe wachsen. Für manche ist es eine Zeit am Morgen, für andere der Abend. Im Sommer eine Zeit auf der Parkbank. Oder zu Hause auf dem Bett. Manche erzählen mir von ihren „Gebetsspaziergängen“. „Stille Zeit“ - so könnte sie aussehen:

  1. Ich atme bewusst. Bei jedem Einatmen denke ich an Gottes Liebe, die ich in mich aufnehme, bei jedem Ausatmen an das, was mich belastet und was ich abgebe.

  2. Ich sage Gott, was mich gestern beschäftigt und bewegt hat.

  3. Ich sage Gott, welche Sünden und Schuld ich bei mir entdecke und abgeben will.

  4. Ich wiederhole fünf Minuten lang einen aufge­schriebenen biblischen Vers.

  5. Ich trage Gott meine Bitten und Fürbitten vor.

  6. Ich lese einen Bibeltext aus der fortlaufenden Bibellese der Herrenhuter Losungen sie führt in vier Jahren durch das ganze Neue Testament und in acht Jahren durch die wichtigsten Teile des Alten Testaments)

  7. Ich schließe mit dem Vaterunser oder einem anderen „klassischen“ Gebet.

Martin Luther spricht vom „Wachsen im Glauben“. Ich bleibe bei meinen Konflikten nicht stehen. Andere brauchen meine Fürbitte. Es ist eine faszinierende Aufgabe - die Stille Zeit! Von gestern? Ein „frommes Ritual“? Nein: in unseren Tagen eine unendliche Kraftquelle. Gottes Kraft in unserem Leben.

Superintendent Dr. Joachim Zehner