„Flügel, die aufwärts tragen“ - Kreuze in den Potsdamer Kirchen.

Gedanken zur Passionszeit von Superintendent Dr. Joachim Zehner

 

Auf jedem Gipfel der Alpen findet sich ein Kreuz. Kirchen tragen dieses Zeichen deutlich sichtbar über unserer Stadt Potsdam. Unseren Konfirmanden geben wir ein Kreuz mit auf ihren Lebensweg.
Ein Motorradgottesdienst beginnt damit, dass die rauen Gesellen, die solche Höllenöfen fahren, ihre Helme in Form eines Kreuzes vor den Altar legen. In manchen Kirchen hat jede Tür, die ich vor dem Gottesdienst öffne ein Kreuz, sei es zur Sakristei, sei es zur Kanzel. Unzählige Menschen tragen das Kreuz als stilles Symbol an ihrem Hals. Was hat es mit diesem Zeichen auf sich? Warum hat es so viel Ausstrahlung in unserer Welt?
Christsein ist die Bereitschaft, im Blick auf das Kreuz die schreckliche Wirklichkeit dieser Welt auszuhalten. Das kann keiner von uns so ohne weiteres. Das müssen wir einüben. Karfreitag und Ostern eigen sich dazu; denn das Kreuz heißt: Hoffnung trotz allem! In der Friedenskirche Potsdam-Sanssouci scheint zur Sterbestunde Jesu am Karfreitag um 15 Uhr das Licht der Sonne auf die Grabplatten, sagen die Kirchenkundigen.
Die Bibel sagt: „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber.“ Der tiefe Riss, der durch unsere Welt geht, wird geheilt im Kreuz. Der große Theologe Bernhard von Clairvaux sagt es so: „Das Kreuz Christi ist eine Last von der Art, wie es die Flügel für die Vögeln sind. Sie tragen aufwärts.“

Lassen Sie sich von der Trauer des Karfreitags nach oben tragen. Sagen Sie Gott im Gebet alles, was sie belastet. Christus trägt es. Das Kreuz trägt mich nach oben. Weil einer stellvertretend für alle, es vollbracht, diese Welt zu heilen.

Die Passionszeit dient dazu, des Leidens und Sterbens Jesu zu gedenken und dadurch den eigenen Lebensweg als Teil eines gemeinsamen Schicksals mit Jesus Christus zu verstehen, der das Kreuz getragen hat. Und ich behaupte an dieser Stelle: Alle diejenigen, die Kreuze aufstellen auf Berggipfeln oder es um den Hals tragen, die haben davon eine Ahnung: Das Kreuz trägt aufwärts! Sie spüren intuitiv: das ist kein römischer Galgen; es ist ein Hoffnungszeichen! So geht es den rauen Gesellen beim Motorradgottesdienst in unseren Brandenburgischen Dörfern, dem Mädchen, das ein schlichtes Kreuz am Hals trägt und denen, die an den unzähligen Karfreitags- und Ostergottesdiensten und –musiken in Potsdam die Ruhe einer Kirche suchen.