Gott ist gegenwärtig in der Welt - im Heiligen Geist

Haben Sie sich einmal gefragt: Warum gibt es sie noch, die Kirche - nach so vielen Jahren? Warum kommen noch heute Menschen zum Glauben? Der Philosoph Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) und viele nach ihm hatten doch festgestellt: „Gott ist tot“. Der Psychoanalytiker Sigmund Freud (1856-1939) hatte den Glauben als eine infantile Illusion entlarvt, die Weigerung erwachsen zu werden, Karl Marx (1818-1883) propagierte: christlicher Glaube ist eine interessenbedingte Vertröstung. Ja, warum kommen Menschen immer wieder in die Glaubenskurse, die wir im Kirchenkreis Potsdam anbieten? Warum lassen sich Erwachsene taufen? Warum verschwindet dieser Mann Jesus Christus nach 2000 Jahren nicht einfach von der Bildfläche? Warum heute noch Kirche? Die Antwort gibt das Fest, auf das wir zugehen, das wir jedes Jahr in den Mai- oder Junitagen feiern: Pfingsten. Es bedeutet: Gott ist gegenwärtig in der Welt im Heiligen Geist. Halleluja!

Jeder Gottesdienst beginnt „im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Gott hat sozusagen „drei Seinsweisen“: als der Vater ist er der Schöpfer der Welt, als der Sohn versöhnt er die Welt mit sich und erlöst uns von Sünde und Tod. Als Heiliger Geist ruft er noch heute Menschen zum Glauben und beschenkt sie mit Geistesgaben. An Pfingsten feiern wir, dass der Heilige Geist „ausgegossen“ ist in dieser Welt; Jesus hat ihn in die Welt gesandt. Das Evangelium, das an Pfingsten gelesen wird, steht bei Johannes Kapitel 14, die Verse 23 bis 27. Mit der Taufe „wohnt“ sogar der Heilige Geist in uns. Die Taufe Jesu ist das Vorbild. Als er getauft war und zum ersten Mal betete, kam der Heilige Geist wie eine Taube auf ihn herab. Der Heilige Geist wird im Alten Testament auch mit dem Wind verglichen. Ich spüre ihn auf der Haut, aber ich kann ihn nicht greifen. Er ist nicht für uns Menschen verfügbar; ich kann „nur“ darum bitten. Ich merke es, wenn er in mir ruht und mich in meinem Leben leitet. Die Bibel, das Neue Testament spricht von der „Frucht des Geistes“. Dies sind: „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Sanftmut, Keuschheit“ (Galater 5, 22). An diesen Eigenschaften erkennen Sie Christen! Auch Sie selbst können so werden, wenn Sie Jesus, den auferstandenen Herrn um seinen Geist bitten. Aufregend! Aber nicht immer einfach. Die Alten sagen: „Gottes Geist wohnt (mit der Taufe) immer in uns, leider sind wir so selten zu Hause.“ Glauben heißt: bei sich selbst zu Hause sein.
Mehr noch: Von Jesus bekennen wir „empfangen durch den Heiligen Geist“. Das heißt: Gott kann zu allen Zeiten in unserer Welt neue Anfänge schaffen – durch den Heiligen Geist. Da, wo wir nichts mehr erwarten, ist Gott doch alles möglich. So hat er die Welt erlöst. Wenn Sie fragen, warum heute noch Menschen an Gott glauben, an Jesus Christus, den auferstandenen Herrn, dann kann ich Ihnen sagen: Weil Gott im Heiligen Geist gegenwärtig ist in dieser Welt. Gleich mächtig wie Gott, der Schöpfer, gleich mächtig, wie Jesus Christus, der Erlöser. „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen“ (Sacharja 4,6).

Um die Kraft des Heiligen Geist kann ich bitten. In der Bibel steht die Zusage: „Der Vater im Himmel (wird) den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“ (Lukas 11, 13). Die Bitte des Vaterunsers „Dein Reich komme“ wurde in der Geschichte der Kirche gelegentlich ersetzt durch die Bitte: „Dein Heiliger Geist komme auf uns herab und heilige uns.“ Ein kluger Seelsorger sagte mir: „Ich bete um den Heiligen Geist, dass er mich leitet. Das ist alles.“

Martin Luther schreibt in seiner Erklärung zum dritten Glaubensartikel „Ich glaube an den Heiligen Geist“: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten; gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heilige und bei Jesus Christus erhält im rechte, einigen Glauben; …“ „Durch das Evangelium“! Deshalb ist es der Auftrag der Kirche, das Evangelium, die Botschaft von Jesus Christus so gut zu verkündigen, wie sie nur kann! Dadurch wird uns der Heilige Geist geschenkt.

Gott ist nur ein Gebet weit entfernt – im Heiligen Geist. Grund zu feiern! Pfingsten: Die Gabe des Heiligen Geistes ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. „Komm‘ – Heiliger Geist!“ „Veni Creator Spiritus.“ Das Gebet der Kirche zu allen Zeiten. Sonst wären wir verloren.

Superintendent Dr. Joachim Zehner