„Dreinigkeit“: Gott – Vater – Sohn und Heiliger Geist –

Christen sind getauft im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Jeder Gottesdienst am Sonntag beginnt mit diesen Worten und ist im Grunde eine Erinnerung an unsere Taufe: „Du bist Kind Gottes – sei, was Du geworden bist!“ „Trinitatis“ – „Dreieinigkeit“ heißt der Sonntag am 27. Mai 2018. Dem folgen dann viele Sonntage nach Trinitatis bis zum "23. Sonntag nach Trinitatis", das ist in diesem Jahr der 4. November.

Haben wir im Christentum drei Götter? Nein. Der eine Gott tritt in drei „Rollen“ in Erscheinung: Als Vater ist er der Schöpfer Welt, als Sohn erlöst er die Welt von der Macht der Sünde und des Todes und als Heiliger Geist ist er gegenwärtig in dieser Welt im hier und heute. Im Heiligen Geist, den der Vater und der Sohn gesandt haben, führt Gott Menschen zum Glauben und erfüllt sie mit Geistesgaben, das sind ganz persönliche Begabungen. Früchte des Geistes sind Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Keuschheit (Galaterbrief 5,22). Um den Heiligen Geist kann man bitten. Er wird unser Leben verwandeln!

Die Trinitätslehre gehört zum Grundbestand der christlichen Glaubenslehre in den Jahrhunderten und in allen Konfessionen. In der Aufklärung kam sie in die Kritik: Unlogisch, unbiblisch! Im 20. Jahrhundert jedoch hat sie eine beispiellose Renaissance erlebt! Karl Barth betonte in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus: Gott ist kein numinoses, fremdes Wesen, die Vorsehung, wie es Hitler oft sagte. Nein, wer wissen will, wie Gott ist, der muss auf Jesus Christus schauen! Jesus ist die Offenbarung von Gottes Wesen. Die Barmer Theologische Erklärung aus dem Jahre 1934 bringt es zum Ausdruck: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“ Und gegen die Deutschen Christen, die in Volk und der Rasseordnung der Welt eine Schöpfungsordnung Gottes sahen, heißt es: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“ Das ist die erste These der Barmer Theologischen Erklärung. Sie steht in unserem Gesangbuch (EG 810). Wer auf Jesus Christus sieht, der weiß, wie Gott ist. Jesus ist „eines Wesens mit dem Vater“ sagt das Glaubensbekenntnis von Nicäa (325 nach Christus). Und Gott, der Vater und Gott, der Sohn senden den Heiligen Geist. Der Tübinger Theologe Jürgen Moltmann betonte in unseren Tagen: an Jesus sehen wir, es ist ein Gott, der zu den Kranken, den Verlassenen, zu Sündern und Zöllnern geht. Deshalb gehört der Dienst an den Armen unverzichtbar zum christlichen Glauben. In Jesus ist Gott selbst in der Welt und wir erkennen seinen Weg mit den Menschen.

Mehr noch! Im Neuen Testament lesen wir, dass Gott Liebe ist (1. Johannisbrief 4,8). Nichts anderes will die Lehre von der Dreifaltigkeit sagen: Er schafft diesen blauen Planeten, die wunderbare Schöpfung aus Liebe; er setzt sich in seinem Sohn der Not und dem Leiden aus, überwindet den Tod und erfüllt uns - seine Gläubigen - immer wieder neu im Heiligen Geist mit seiner Liebe. Wir feiern den faszinierenden Gott, der Liebe ist und Menschen zur Liebe befähigt. Wenn Sie Fragen haben zur christlichen Trinitätslehre, sprechen Sie mich an! Ich rede gern davon. Unsere Vorfahren haben sie aus der Bibel entwickelt! Es ist keine philosophische Spekulation, keine starre „Dogmatik“, sondern ein faszinierender und herausfordernder Gedanke: der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, wird Kind im Stall von Bethlehem.

Superintendent Dr. Joachim Zehner