06.06.2016 Mo
Ein ökologischer Leuchtturm in Berlin-Neukölln von Dr. Jost Kremmler und Dr. Konrad Elmer-Herzig

Ein ökologischer Leuchtturm in Berlin-Neukölln von Dr. Jost Kremmler und Dr. Konrad Elmer-Herzig Neuigkeit

Ein Holz-Heizkraftwerk in Rudow von der BTB, Blockheizkraftwerks- Träger- und Betreibergesellschaft mbH Berlin (Tochtergesellschaft von RWE) wird mit Altholz befeuert.

Ein ökologischer Leuchtturm in Berlin-Neukölln

Ein Holz-Heizkraftwerk in Rudow von der BTB, Blockheizkraftwerks- Träger- und Betreibergesellschaft mbH Berlin (Tochtergesellschaft von RWE) wird mit Altholz befeuert. Das Kraftwerk liegt direkt am Teltowkanal, sodass das Altholz (d. h. Holz, das bereits verwendet wurde und als Abfall stofflich oder thermisch verwertet, aber nicht mehr wie früher in Deponien entsorgt werden darf) größtenteils per Schiff (70 % aus der Umgebung, ca. 30 % aus Holland) angeliefert werden kann. Nach Angaben der Betreibergesellschaft werden jährlich 235.000t CO2 eingespart.

Dieses damals neuartige Holz-Heizkraftwerk wurde 2001 für das Doppelte der veranschlagten Bausumme fertiggestellt und erzeugt in Kraft-Wärme-Kopplung mit einer Turbine 20 MW Strom und versorgt Schöneweide, Köpenick, Johannisthal, Gropiusstadt, Altglienicke, Rudow und auch WISTA, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Berlin-Adlershof mit Fernwärme.

Im Vergleich: Unser Erdgas-Heizkraftwerk Potsdam-Süd (Wirkungsgrad 88 %) an der Nuthe erzeugt 83,5 MW Strom und Wärme?. Es ist im Gegensatz zu dem Holz-Heizkraftwerk nicht CO2-neutral. Bei einer Umstellung der Potsdamer Energieversorgung auf Holz hätten wir einen vierfachen Bedarf; die Anlieferung auf dem Wasserweg wäre ohne eine Verladestation an der Havel nicht möglich. Dort müsste das Holzkraftwerk neu errichtet werden mit erheblichen Anschlusskosten für die Fernwärme. Der zuständige Ingenieur gab zu bedenken, dass so viel Altholz nicht ohne erhebliche Transport-Mehrkosten nicht zu bekommen sei und dieser Bedarf den Preis für Altholz erheblich in die Höhe treiben würde. Frisch eingeschlagenes Holz zu verbrennen, sei ökologisch abwegig, weil ein viel zu kostbarer Rohstoff. Es könnte aber sein, dass, wenn in 10 Jahren die Altheizholzkraftwerke, die keine Kraftwärmekopplung haben, abgeschaltet werden, dann doch genügend Altholz für ein Potsdamer Holzheizkraftwerk zur Verfügung stehen könnte. Dieses wäre  dann vor allem für die Potsdamer Bauwirtschaft interessant, weil sie dann mit weniger Dämmung die vorgeschriebenen Energiebilanzen erreichen könnte.

Entscheidend wird sein, welche neuen Rahmenbedingungen  der Gesetzgeber in Zukunft setzen wird. Zur Zeit jedenfalls würde sich der kostspielige Neubau eines Holzheizkraftwerkes nicht rechnen und auch dieses hier rechnet sich nur, weil es schon steht. Wenn man bei der damaligen Bauplanung die Preisentwicklung beim Altholzmarkt vorausgesehen hätte, wäre dieses Heizkraftwerk niemals gebaut worden. Es wurden damals auf Grund des Altholzdeponierungsverbots einfach zu viele Holzheizkraftwerke gebaut.
Überleben werden auf Dauer nur die mit Kraftwärmekopplung, wegen des bereits erwähnten Interesses der Bauwirtschaft an CO2-freier Wärmelieferung.

Dr. Jost Kremmler
Dr. Konrad Elmer-Herzig
Potsdam, am 6. Juni 2016