30.09.2017 Sa
Zum Potsdamer Umweltfest eine Andacht von Dr. Konrad Elmer-Herzig, Pfr. i.R.

Zum Potsdamer Umweltfest eine Andacht von Dr. Konrad Elmer-Herzig, Pfr. i.R. Neuigkeit

... hieß es früher in Sachen Umwelt, es sei bereits 5 vor 12, so meinen wir, unsere Andacht solle besser 5 nach 12 Uhr beginnen.

Andacht zum Potsdamer Umweltfest am 17. 9. 2017 Konrad Elmer-Herzig

Vorspiel: Reinhard May, Das Meer ...
http://www.dailymotion.com/video/x2f9fh_reinhard-mey-das-meer_creation

Begrüßung

Lied: Die ganze Welt hast du uns überlassen … EG 360, 1-3 u. 6
http://gesangbuch-lieder.de/Die%20ganze%20Welt%20hast%20du%20uns/Die%20ganze%20Welt%20hast%20du%20uns.php

Liebe Schwestern und Brüder,

hieß es früher in Sachen Umwelt, es sei bereits 5 vor 12, so meinen wir, unsere Andacht solle besser 5 nach 12 Uhr beginnen. Denn viele sind der Meinung, es sei inzwischen bereits zu spät. Das Klima der Erde, so wie wir es kennen, ist nicht mehr zu retten. Wir können uns nur noch auf die bevorstehenden großen Katastrophen einstellen.
Dabei hatte es einst mit Gottes Schöpfung doch so gut angefangen: Als Gott am Abend des 6. Schöpfungstages sein Werk betrachtete, musste er sich eingestehen: Siehe, es ist alles gut! Dann aber kamen wir Menschen, die wir nach Gottes Willen die Erde bebauen und bewahren sollten und wollten alles besser machen. Und nun haben wir die Bescherung so wie einst Goethes Zauberlehrling: Das Wasser steigt und steigt. Die Gletscher schmelzen und ebenso das Grönlandeis. Demnächst werden die Poolkappen folgen. Immer größer und gefährlicher die Hurrikans und wer weiß, in dreihundert Jahren könnte dann sogar unser schönes Potsdam unter Wasser gehen.
Am verwunderlichsten ist an alledem, dass trotz solcher Horrorperspektiven wir immer noch nicht tun, was dringend nötig wäre. Statt das Steuer herumzureißen rauchen immer noch die Schlote der Kohleverstromung. Immer noch fahren wir selbst kleinste Strecken mit dem Auto oder fliegen viel zu billig in ferne Länder.
Liebe Schwestern und Brüder, es ist noch viel verrückter: Selbst, wenn wir weniger Benzin und Öl und Kerosin verbrauchen, führt das noch nicht zur CO2-Verringerung. Denn ohne eine weltweite CO2-Bepreisung, also ohne dass dieses Umweltgift die Erzeuger finanziell belastet, ohne diesen ökonomischen Hebel bewirken unsere Einsparanstrengungen lediglich, dass der Ölpreis auf dem Weltmarkt sinkt, so dass die Schwellenländer umso mehr davon verbrauchen können. Und so steigt paradoxer Weise gerade auf Grund unserer Einsparbemühungen der weltweite CO2-Ausstoß weiter von Jahr zu Jahr.
Wenn es nun also so schlimm, ja geradezu hoffnungslos um unsere Welt bestellt ist, warum, liebe Schwestern und Brüder, warum in aller Welt greift Gott nicht ein? Warum lässt er uns seine gute Schöpfung derart an die Wand fahren?
Die Antwort hörten wir bereits vorhin im Lied:
„Die ganze Welt hat Gott uns überlassen. Sein Name ist unendliche Geduld. Er lässt in seiner Liebe uns gewähren. Er schenkst uns Freiheit, seine größte Gabe gibt er seinen Kindern“ .
Mit anderen Worten: Trotz all unserer Irrwege denkt Gott nicht daran das Experiment der Freiheit für uns Menschen zu beenden. Es ist sein durch und durch liebendes Wesen, welches ihn daran hindert, den Lauf der irdischen Dinge wieder selber in die Hand zu nehmen. Denn, liebe Schwestern und Brüder, damit würde er die uns Menschen geschenkte Freiheit und Würde ja wieder nehmen.
So bleibt uns nur, uns nochmals zu besinnen und zu überlegen, wie wir statt aller bisherigen Flickschusterei das Umweltproblem endlich in den Griff bekommen.
Und ihr werdet es kaum glauben, es gibt bereits ein sehr probates Mittel und dieses Zaubermittel lautet: CO2-Bepreisung. Das bedeutet: Wir brauchen ein Gesetz, welches festlegt, dass wer immer etwas produziert und dabei CO2 erzeugt, der muss für diese Belastung der Erdatmosphäre bezahlen. So wie wir alle selbstverständlich längst für jeden Kubikmeter Abwasser bezahlen müssen. Wenn für jede Tonne CO2, wo immer sie entsteht, ein ernsthafter Mindestpreis zu bezahlen wäre, was glaubt ihr wie schnell all die CO2-Dreckschleudern vom Markt verschwinden und stattdessen neue Arbeitsplätze in alternativen Produktionsbetrieben entstehen würden. Dann würde sich das CO2-Problem nämlich marktwirtschaftlich regeln und also fast von selber lösen. Wir müssen nur endlich die Kraft und den Mut aufbringen, mit einer ernsthaften CO2-Bepreisung im eigenen Land zu beginnen, so wie es die Engländer bereits getan haben. Schon jetzt steht fest, dass es dort bereits 2025 keinerlei Kohleverstromung mehr geben wird.
Die CO2-Bepreisung zu wollen, liebe Schwestern und Brüder und sie politisch durchzusetzen, das muss jetzt ganz oben auf unserer Agenda stehen. Mögen da viele den Kopf schütteln und resigniert erwidern: Das bekommt ihr in Brandenburg doch niemals durchgesetzt.
Nun, liebe Freundinnen und Freunde: Es gilt noch immer des Dichters Wort: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ (Hölderlin). Bei aller Geduld und Zurückhaltung um unsrer Freiheit willen, Gott wird seine Schöpfung nicht untergehen lassen. Dafür steht seit eh und je der uns immer mal wieder leuchtende Regenbogen. Er bezeugt uns Gottes Liebe und Treue, egal wie sehr wir uns an seiner Schöpfung bereits versündigt haben. Gott wird uns die Kraft schenken, das Steuer doch noch herumzureißen, wenn nicht heute, so doch morgen. Wir alle sind gefragt. Wir alle sind von Gott beauftragt, die Erde zu bewahren.
Selbst wenn uns bessere menschliche Einsicht gerade in letzter Zeit höchst fraglich erscheint, lasst uns um Gottes Willen nicht verzagen, sondern mutige Schritte tun: So wie in der Geschichte von den
Chancen der Bärenraupe:
„Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. Zwanzig Autos in einer Minute. Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk. Die Bärenraupe weiß nichts von Autos. Sie weiß nicht, wie breit der Asphalt ist, weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Mopeds. Die Bärenraupe weiß nur, dass jenseits Grün wächst, herrliches Grün, vermutlich fressbar … Sie hat Lust auf Grün. Man müsste hinüber! Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. Sie geht los. Geht los auf Stummelfüßen. Zwanzig Autos in der Minute. Geht los ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Hektik. Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk. Geht los und geht und geht und kommt an.“

Amen


Gebet für unsere Erde von Papst Franziskus 

Allmächtiger Gott,
der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist
und im kleinsten deiner Geschöpfe,
der du alles, was existiert,
mit deiner Zärtlichkeit umschließt,
gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,
damit wir das Leben und die Schönheit hüten,
damit wir als Brüder und Schwestern leben
und niemandem schaden.
Gott der Armen,
hilf uns, die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,
die so wertvoll sind in deinen Augen, zu retten.
Heile unser Leben,
damit wir Beschützer der Welt sind
und nicht Räuber,
damit wir Schönheit säen
und nicht Verseuchung und Zerstörung.
Rühre die Herzen derer an, die nur Gewinn suchen
auf Kosten der Armen und der Erde.
Lehre uns, den Wert von allen Dingen zu entdecken
und voll Bewunderung zu betrachten;
zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind
mit allen Geschöpfen
auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.
Danke, dass du alle Tage bei uns bist.
Ermutige uns bitte bei unseren Bemühungen
für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

Segen

Nachspiel: Gerd Schöne: Jesu meine Freude … https://www.youtube.com/watch?v=IRE-4YB_rE8